Ausbildung

Lernwillig! Motiviert! Treu!


Warum Hauptschüler für die M+E-Industrie so wichtig sind

Marktredwitz/München. Es war kurz vor dem Ende seiner Schulzeit, als Matthias Hecht begann, sich bange Fragen zu stellen: „Werde ich als Hauptschüler überhaupt einen Ausbildungsplatz finden? Bin ich gut genug? Will mich wer?“

Jetzt, knapp zwei Jahre später, steht Hecht (19) im Blaumann in der Ausbildungswerkstatt des Federn-Spezialisten Scherdel in Marktredwitz. Die Zwischenprüfung zum Werkzeugmechaniker hat er gerade hinter sich, „der Junge hat sich gut angestellt, der hat was drauf“, nickt  Scherdel-Ausbilder Markus Nürnberger anerkennend.  Hechts mulmiges Gefühl ist passé: „Ich will mir hier unbedingt was aufbauen, weiterkommen.“

„Chancen für Hauptschülerderzeit hervorragend“

Durchstarten wie Matthias Hecht, eine Lehrstelle ergattern mit Hauptschulabschluss – ist das die Ausnahme? „Überhaupt nicht“, betont Christof Prechtl, Bildungsexperte der vbw – Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. „In den letzten Jahren hat sich die Situation der Hauptschüler auf dem bayerischen Ausbildungsmarkt stetig verbessert.“

Und gerade in den Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie seien die Chancen für qualifizierte Hauptschulabsolventen derzeit „hervorragend“. Prechtl: „Die Unternehmen besetzen bis zur Hälfte ihrer Ausbildungsplätze beispielsweise zum Zerspanungs- oder Industriemechaniker gezielt mit Hauptschülern.“

Und das nicht ohne Grund: „Wir machen mit ihnen einfach gute Erfahrungen“, sagt Dagmar Zauner, Personalleiterin bei Scherdel, dem Ausbildungsbetrieb von Matthias Hecht. Die jungen Leute seien motiviert und lernwillig, blieben dem Unternehmen nach der Ausbildung darüber hinaus häufig lange treu. „Ohne Hauptschüler wäre die Deckung des eigenen Facharbeiternachwuchses für uns absolut undenkbar“, betont Personalerin Zauner.

Das gilt nicht nur für Scherdel. Grund: Gegenwärtig besucht rund ein Drittel eines Schüler-Jahrgangs in Bayern die Hauptschule, deutlich mehr als im Bundesschnitt. So verließen 43.000 Absolventen  ihre „Penne“ im vergangenen Jahr mit Abschluss, 28.500 davon schafften den qualifizierenden Hauptschulabschluss (Quali), fast 12.000 Schüler packten gar die mittlere Reife (M-Zug). „Gerade mit Blick auf den drohenden Facharbeitermangel wäre es doch fatal, würden die Unternehmen die Hauptschüler einfach links liegen lassen“, verweist Bildungsexperte Prechtl auf die Rolle der Hauptschulen in Bayerns Bildungsmix.

Um diese weiter zu kräftigen, legt sich die M+E-Branche mächtig ins Zeug. „Wir haben zum Beispiel den Aufbau der bayerischen Ganztagshauptschule massiv unterstützt, um die Ausbildungsreife der Schüler zu verbessern“, sagt Prechtl.

Darüber hinaus arbeiten viele Unternehmen eng mit den Hauptschulen in ihrer Region zusammen.

Beispiel ZF in Passau: „Gerade jetzt  läuft  bei  uns  ein  Projekt  mit 70 Schülern der Nikola-Hauptschule“, so Ausbildungsleiter Roland Biebl.  In Gruppen aufgeteilt, sollen die Schüler im Rahmen eines mehrtägigen Schnupperpraktikums den Zerspanungs- und Elektronikbereich kennenlernen. Für das Unternehmen eine willkommene Gelegenheit, Kontakte zu potenziellen Azubis von morgen zu knüpfen. „Rund 75 Azubis stellen wir pro Jahr ein, knapp die Hälfte kommt von der Hauptschule“, so Biebl.

Einstieg auch ohne Bestnoten

Und selbst ohne Bestnoten auf dem Zeugnis bieten sich Abgängern hierzulande Chancen auf einen Einstieg ins Arbeitsleben. Das Stichwort: Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ). Seit drei Jahren stellt beispielsweise BMW jährlich rund 30  ausbildungsvorbereitende Praktikumsplätze im Bereich Produktion und Fahrzeugtechnik am Standort München bereit. „Das Modell funktioniert, 60 Prozent der Teilnehmer erhalten am Ende von uns einen Ausbildungsvertrag“, sagt Manfred Theunert, Leiter der BMW Group Berufsausbildung.

Tipps im Web

Eine Fülle von Informationen rund um die Berufsausbildung in der bayerischen M+E-Industrie finden Schüler, Eltern und Lehrer im Internet: www.ausbildungsoffensive-bayern.de

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