Mittelstand

Leckere Fallen für Ratte & Co.


Die Firma frunol delicia ist technisch vorn

Rund die Hälfte der 55.000 Mitarbeiter der ostdeutschen Chemie arbeitet in Unternehmen, die weniger als 100 Beschäftigte haben. Das sind kleine, oft familiengeführte mittelständische Betriebe, die nicht die Finanz- und Vertriebskraft von Großkonzernen haben. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, müssen sie mit innovativen Produkten oder geschickten Strategien punkten. AKTIV hat zwei Firmen besucht.

Delitzsch. Schnecken sind Feinschmecker, Schaben sind  sehr wählerisch, Mäuse und Ratten lieben frisches Futter. Aber sie alle bedienen sich oft dort, wo sie nichts zu suchen haben: auf Feldern, in der Küche oder in der Käserei. Mäuse und Ratten können durch ihren Kot sogar gefährliche Erreger verbreiten.

Um die (un-)heimlichen Mitesser zu bekämpfen, kommen beispielsweise Produkte der frunol delicia GmbH aus dem sächsischen Delitzsch zum Einsatz. Etwa die patentierten „Schnecken-Linsen“ zur erfolgreichen Bekämpfung von Schadschnecken im Agrar- und Hobbybereich.

Export bis nach Australien

„Diese linsenförmigen Köder sind eines unserer innovativsten Produkte“, berichtet Reinhard Kerkmann, Mitglied der Geschäftsleitung. „Sie sind auf den Geschmack und die Fresswerkzeuge der Schnecke abgestimmt.“

Kaum sind sie gefuttert, beginnt der Wirkstoff des „Molluskizids“ seinen Job: Die Schnecke trocknet aus. Und auf dem Feld können Salatköpfe, Blumen oder Raps ungestört wachsen.

Das Unternehmen frunol delicia stellt rund 500 Produkte her, zum Großteil Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Ein weiterer Firmensitz ist in Unna. Exportiert wird weltweit, bis nach Australien.

Dort ist vor allem ein anderes Produkt aus Delitzsch im Einsatz: „Rodentizide“. Das sind spezielle Präparate, die Mäusen und Ratten das Naschen vergällen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe hemmen die Blutgerinnung und führen schmerzfrei zum Tod. „Die Tiere schlafen sanft ein“, betont Kerkmann.

Der Köder muss schmecken

Seit Jahren wächst die Zahl der Kunden, der Umsatz ebenfalls. Die Belegschaft nahm auf über 80 Mitarbeiter zu. Sogar Großkonzerne lassen in Delitzsch herstellen. Kerkmann nennt dafür drei Gründe.

Erstens das große Know-how der Firma und ihrer Beschäftigten. Dort wird schon seit 1817 an solchen Produkten gearbeitet. Die heutige frunol delicia entstand 1997 aus der Fusion der Firmen frunol (Unna) und Delicia (Delitzsch). Der zweite Vorteil: die Standortbedingungen. Im Labor wird ständig an attraktiven, aus besten Zutaten gemachten Ködern getüftelt.

Punkt drei: die hochmoderne Produktion. Seit einigen Jahren fertigt frunol delicia mit der modernsten „Extruder-Technologie“. Sie sorgt dafür, dass die Köder unter anderem für die Tiere besonders attraktiv, für die Anwendersicherheit staubfrei und zur langfristigen Sicherung der Kulturen witterungsstabil sind.

Zudem lässt sich so die Wirkstoffmenge bei gleicher oder verbesserter Wirksamkeit stark reduzieren. Damit folgt das Unternehmen, wie es betont, als einziges in diesem Segment dem vom Bund aufgelegten Reduktionsprogramm im Pflanzenschutz.

Die Pflanzenschutzmittel sind vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zugelassen. Schließlich dürfen sie weder die Arbeiter im Werk gefährden noch naschhafte Katzen oder die Umwelt.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang