Menschen

Lack-Künstler


Sein Herz schlägt für die Kunst: Markus Türk mit seinen Werken in der „Galerie 71“ im Münchner BMW-Werk. Foto: Bodmer

BMW-Mitarbeiter Markus Türk malt mit Autofarben

München. Kreativ ist Markus Türk schon mit der Auswahl des Handwerkszeugs. Seine abstrakten Bilder gestaltet er nicht nur mit Pinsel und Spachtel. Mal tupft er feuchte Farbe mit einer Folie ab, mal greift er fürs Grobe sogar zu einem Besen und wischt damit über sein Werk.

„Einmal habe ich mit einer Kuchengabel in die gerade getrocknete Farbe geritzt“, erzählt der Hobby-Künstler schmunzelnd. „Die Idee dazu kam mir beim Nachmittagskaffee.“

Experimente in der Freizeit

Das ganz Besondere an Türks Bildern ist, dass er ausschließlich Originallacke von BMW einsetzt. Damit hat er auch beruflich zu tun. Denn der 43-Jährige ist in dem Münchner Konzern als Gruppenleiter im Service (Aftersales) für alle Flüssigkeiten in und an ­einem Auto zuständig – vom Kühlwasser und Motoröl bis zum Reparaturlack.

Vor etwa sechs Jahren begann der Lackierermeister und Diplom-Betriebswirt in seiner Freizeit mit Lacken zu experimentieren. „Ich verwende wie beim Kuchenbacken die einzelnen Zutaten“, erklärt Türk.

Sein Rezept: Man nehme alle Farbtöne, die gemischt den jeweiligen Autolack ergeben. Zum Beispiel stecken in der grün­lichen BMW-Farbe „British Racing Green“ auch Schwarz sowie Silber- und Goldtöne.

Da die Farben rasch trocknen, muss Türk spontan sein. „Bildgröße und die Grundfarben sind geplant“, sagt er. „Alles andere ist ein emotionaler Entstehungs­prozess.“ Seine Methode, damit das klappt: im Kopf abschalten und sich ganz aufs Bauchgefühl verlassen.

Anfangs schmückte der gebürtige Pfälzer nur sein eigenes Heim mit den Lack-Kunstwerken. Doch jetzt findet er auch öffentlich Aufmerksamkeit. Das begann mit einer Ausstellung in der „Galerie 71“ im Münchner BMW-Werk.

Mitarbeiter können dort seit 22 Jahren Kostproben ihrer Kreativität den Kollegen und Besuchergruppen zeigen. Peter Rossa, der Kurator der Galerie 71, ist von Türks Werken ganz angetan: „Er verbindet auf geniale Weise sein Arbeitsgebiet mit seiner Kunst. Es sind außergewöhnliche Bilder voller Farben, Emotionen und Überraschungen.“

Der nächste Auftritt ist schon geplant

Die Ausstellung dauerte von Mai bis Ende September. Einige Bilder hat Türk verkauft, auch nach Kanada und in die USA. „Das ist zwar nicht das Entscheidende für mich“, betont er. „Aber es freut mich, wenn ich den Geschmack der Leute treffe.“

Vier seiner Werke hängen seit kurzem in der „BMW-Welt“, wo Kunden ihr neues Fahrzeug abholen. Und nächstes Jahr geht es im Februar in der Münchner BMW-Niederlassung weiter. Dort sollen 40 Bilder von Türk ausgestellt werden. So viele gibt es noch gar nicht: „Da werde ich im Weihnachtsurlaub kräftig Gas geben müssen.“

An Ausdauer fehlt es dem Lack-Spezialisten jedenfalls nicht. Alle zwei Jahre bewältigt der drahtige Mann einen Ironman-Triathlon: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und ein Marathonlauf.

„Ich teste gern meine Grenzen“, sagt Türk mit einem Augenzwinkern. „Ob im Beruf, im Sport oder in der Kunst.“

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Farben und Fahrzeuge haben mich schon immer interessiert. Bereits als Schüler jobbte ich an einer Tankstelle, machte dort kleinere Reparaturen und lackierte ab und zu Autoteile.

Was reizt Sie am meisten?

Der vielfältige Umgang mit Chemie und vor allem mit Menschen. Besonders gefällt mir, meine Erfahrungen an junge Mitarbeiter weiterzugeben. Ich mache ihnen Mut, auf ihr Bauchgefühl zu achten.

Worauf kommt es an?

Auch mal Risiken eingehen und Chancen nutzen. Ich versuche, meine Ideen trotz Widerständen durchzusetzen.

 

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