Klimaschutz

Lachgas - gar nicht lustig beim Dünger


Erfinder Uwe Jantsch stoppt jetzt das aggressive Treibhausgas

Hanau. Lachgas, das klingt so harmlos. Kurpfuscher nutzten die Kicherdroge einst als Narkosemittel und traten damit im Zirkus und auf Jahrmärkten auf. Tatsächlich ist das farblose Gas, das als Nebenprodukt bei der Düngemittel-Produktion entsteht, ein echter Klimakiller. Zum Glück hat der Edelmetall- und Technologiekonzern He­raeus jetzt einen Katalysator dagegen entwickelt.

Das Gas entsteht bei Düngerproduktion

Denn die Weltbevölkerung wächst rasant. Und ohne Dünger lässt sich für sie kaum genug Nahrung produzieren. Doch bei der Herstellung entweichen aus den Schornsteinen der weltweit gut 600 Düngemittel-Fabriken jährlich 1,2 Millionen Tonnen Lachgas. Und das ist 310-mal so schädlich für das Klima wie das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2).

Umgerechnet auf Autos entspricht die Menge dem CO2-Ausstoß von 80 Millionen Fahrzeugen. Bei ihnen kann man Schadstoffe mit Hilfe von Katalysatoren bekanntlich in unkritische Abgase umwandeln. „Bei der Düngemittel-Produktion funktioniert es ähnlich, nur um einige Nummern größer“, erklärt Chemie-Ingenieur Uwe Jantsch, der das Katalysator-System gemeinsam mit einem Team entwickelt hat.

Doch wie funktioniert das System? Es setzt schon bei der Produktion von Düngemitteln an. Dazu leitet man Ammoniak und Luft über 900 Grad heiße riesige Platinnetze, die Heraeus ebenfalls herstellt. An ihnen reagieren die Gase miteinander und verbinden sich zu Vorprodukten der Salpetersäure. Als Nebenprodukt entsteht dabei das Lachgas.

Jantsch und seine Leute fanden heraus, dass eine Prise Rhodium und andere Edelmetalle im Platinnetz viel weniger Lachgas entstehen lassen. Um nun das unerwünschte Gas nahezu komplett zu beseitigen, setzt Jantsch mit der Erfindung des Mehrstufen-Katalysators dem System im wahrsten Sinne des Wortes „die Krone“ auf: Er entwickelte ein Anti-Lachgas-Granulat.

Saubere Luft durch Katalysator

„Das sind Kügelchen aus Aluminiumoxid, die wir in einer bestimmten Edelmetall-Mischung tränken“, so der Fachmann. Das Granulat steckt in gasdurchlässigen Kassetten. Die lassen sich als zweite Katalysator-Stufe hinter die Platinnetze in die Reaktoren einbauen. Ergebnis: „Wir reduzieren damit das Lachgas je nach Anlagentyp um bis zu mehr als 90 Prozent.“ Erste Unternehmen haben das System bereits in ihre Anlagen integriert. Der Erfinder reist persönlich durch die Welt, um die Unterneh­mer von seinem System zu überzeugen.

Auf seiner Erfolgsliste stehen schon Hersteller aus China, Japan und Südafrika. Auch in den USA und Südamerika sind erste Katalysatoren im Einsatz.

Jantsch wundert es nicht: „Der Katalysator trägt dazu bei, die international vereinbarten Reduktionen von Lachgas gemäß dem Kyoto-Protokoll einzuhalten.“ Auch die EU plant eine schärfere Gangart: Die Grenzwerte für Neu-Anlagen lassen sich nur mit Katalysatoren erreichen.

Sabine Latorre

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