Großprojekt

Kunststoff-Platten sollen Venedig vor dem Untergang retten

Alarm: Die Häuser ­ stehen immer tiefer im Wasser. Foto: fotolia

Mannheim. Der Meeresspiegel steigt und steigt, Venedig versinkt im Wasser. Jetzt sollen riesige Kunststoff-Gleitplatten gewaltige Schleusentore gängig halten, um das Weltkulturerbe zu retten. Gefertigt hat sie eine Tochtergesellschaft des Familienunternehmens Röchling aus Mannheim.

Die Lagunenstadt wird immer wieder stark überflutet: Allein im vergangenen Jahrzehnt hat es dort 65 Mal Hochwasser gegeben. In den 50er-Jahren war das nur 18 Mal der Fall. Zudem ist Venedig im 20. Jahrhundert um mehr als 20 Zentimeter abgesunken. Deshalb werden jetzt an den drei Öffnungen der Lagune zum Meer Flutbarrieren installiert.

Und die funktionieren so: 78 hohle Stahlkästen liegen flach nebeneinander auf dem Meeresgrund. Ihre Ausmaße sind gewaltig: bis zu 29 Meter hoch, 20 Meter breit und 5 Meter dick. Droht Hochwasser, wird Druckluft in diese Behälter gepresst. Sie richten sich im Wasser auf und bilden eine Barriere. Das soll den Anstieg des Wasserspiegels in der Lagune verhindern.

Schleusen sorgen dafür, dass Schiffe auch während der Hochwasserphasen vom offenen Meer in die Lagune gelangen können. Die tonnenschweren Schleusentore zu öffnen, ist jedoch nicht so einfach. Hier kommt der Kunststoff ins Spiel.

Das 5 Milliarden Euro teure Großprojekt soll im Jahr 2014 fertig sein

Um die 54 Meter breiten Pforten der 370 Meter langen und 43 Meter breiten Schleuse bewegen zu können, hat Röchling einen ex-trem gleit- und widerstandsfähigen Werkstoff (Polystone M natur) entwickelt. Der hält auch aggressives Salzwasser aus und ist widerstandsfähiger als Stahl. Als Gleitplatte wird er auf dem Untergrund der Schleuse montiert. Darauf lassen sich die Schleusentore reibungsfrei und ohne hohen Energieaufwand bewegen. Das fünf Milliarden teure Gesamtprojekt soll 2014 fertig sein.

Hochleistungskunststoffe von Röchling finden sich auch in der Kaiserschleuse in Wilhelmshaven, dem Emssperrwerk in Gandersum und im Panamakanal.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang