Chemie

Kunststoff kommt von Können


Wie BASF im Brandenburgischen Werkstoffe für Haushaltsgeräte herstellt

Schwarzheide. Er ist unscheinbar, der blassgelbe Wasserkocher im Kaufhaus. Wie viel Arbeit in ihm steckt, sieht man nicht. Doch was selbst so ein ganz profanes Gefäß an Chemie-Wissen verkörpert – davon kann André Fünfstück ein Lied singen.

Fünfstück kontrolliert bei der BASF Schwarzheide GmbH eine Anlage, die den  Kunststoff für solche Geräte produziert. „Man kann Kunststoff mit tausenderlei Eigenschaften versehen“, schwärmt er. „Man kann sie robust gegen Schläge und Stöße machen, immun gegen die Wirkung einer Spülmaschine oder extrem widerstandsfähig zum Beispiel gegen UV-Strahlung.“

Unter seinen wachsamen Augen wird das Material aus dem Extruder gepresst, läuft in langen Bindfäden durch den Raum und in ein Wasserbad zum Abkühlen.

Insgesamt 1.900 Mitarbeiter beschäftigt die BASF Schwarzheide GmbH, zwei Drittel der Produktion sind Kunststoffe für verschiedenste Anwendungen – von Wasserkochern und anderen Haushaltsgeräten über Gartenartikel bis zum Cockpit fürs Auto.

1,4 Milliarden Euro investiert

Ausgangsstoff der Produktion sind Styrol-Copolymere, ein mattweißes Granulat. „Um es für den jeweiligen Verwendungszweck fit zu machen, verwenden wir entsprechende Zusätze“, erklärt Torsten Thuß, Betriebsleiter der Anlage.

Dazu gehören zum Beispiel flammenhemmende Mittel, UV-Stabilisatoren, Glasfasern oder schlicht ein knalliger roter Farbstoff. „Die Polymere werden bei etwa 250 Grad Celsius aufgeschmolzen und mit den anderen Stoffen sorgfältig gemischt“, so Thuß. 

Fast 650.000 Tonnen verkaufsfähige Waren verließen allein im Jahr 2006 das Werk, brachten 867 Millionen Euro Umsatz. Neben Kunststoffen auch  Wasserbasislacke, Polyurethane und Pflanzenschutzmittel. Die Anlagen sind hochmodern: Gut  1,4 Milliarden Euro hat der Ludwigshafener BASF-Konzern, der 1990 das Synthesewerk Schwarzheide übernahm, seitdem in Produktion und Infrastruktur investiert.

Als Investition sieht man bei BASF Schwarzheide auch die Ausbildung. 200 Lehrlinge sind es derzeit, die Quote liegt bei fast 12 Prozent. Kein anderer Großbetrieb in Brandenburg liegt höher. „Chemikanten und Elektroniker für Automatisierungstechnik lernen hier ebenso wie Industriemechaniker“, sagt Lehrmeister Frank Porthun, der den Chemikanten Verfahrens- und Wartungstechnik beibringt.

Magnet für weitere Investoren

Die Übernahmequote liegt aktuell bei 70 Prozent. Auch Ingenieure bildet BASF aus, gemeinsam mit den Berufsakademien in Sachsen und Berlin. Das Studium ist genauso praxisnah wie die Lehre für die Azubis – beste Gewähr, dass die Absolventen gleich nach der erfolgreichen Prüfung einen Arbeitsplatz bekommen.

Und die Perspektiven dürften noch besser werden: Fast die Hälfte des etwa 32 Fußballfelder großen Werkgeländes  steht noch für   weitere Investitionen bereit. Einige BASF-Tochterfirmen, Partnerfirmen und 13 Investoren haben den Weg hierher schon gefunden und beschäftigen mittlerweile weitere 1.000 Menschen.

Der Kern des Ganzen aber bleibt die Raffinesse, mit den passenden Zusätzen stets neue Verwendungszwecke für  Kunststoff zu eröffnen. Frei nach dem großen Kabarettisten Karl Valentin: „Kunst kommt von Können, nicht von Wollen. Sonst müsste es ja Wunst heißen.“

Uwe Rempe

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