Im Testlabor für komplizierte Fälle

Kunststoff in Form blasen: Inotec entwickelt und baut die Technik dafür

Wie fertigt man kompliziert geformte Kunststoffteile? Wie Luftlade- und Reinluftrohre für Autos? Indem man den Kunststoff mit Druckluft in Form bläst. Das geht. Spezialist für die Technik ist die sächsische Firma Inotec.

Vor dem Produktionsversuch: Stefan Pfefferkorn baut die Hightech-Anlage zusammen. Foto: Sturm

Vor dem Produktionsversuch: Stefan Pfefferkorn baut die Hightech-Anlage zusammen. Foto: Sturm

Bewerten einen Prototyp: Die Inotec-Chefs Klaus Schneider (links) und Knut Hensel. Foto: Sturm

Bewerten einen Prototyp: Die Inotec-Chefs Klaus Schneider (links) und Knut Hensel. Foto: Sturm

Kohren-Sahlis. Schläuche, Ventile, Kabel, bizarr geformtes Metall: Wo der Laie schnell den Überblick verliert, kennt Stefan Pfefferkorn jede Schraube. Gerade macht der Bereichsleiter die komplizierte Maschine, eine Blasformanlage, startklar.

Gleich beginnt hier die Versuchsproduktion eines schlangenhaft gewundenen Kunststoffteils. Solche kompliziert geformten Werkstücke sind die Spezialität der Firma Inotec in der sächsischen Kleinstadt Kohren-Sahlis. Mit den üblichen Verfahren zur Kunststoffverarbeitung kriege man die nicht hin, erklärt Geschäftsführer Knut Hensel. „Das geht nur mithilfe der Blasformtechnik.“

Und die funktioniert so: „Ein vorgewärmter Rohling aus Thermoplast wird in der Form, dem Werkzeug, mit Druckluft aufgeblasen“, erklärt Hensel. „Das Material legt sich dabei von innen an die Form an und erstarrt beim Erkalten.“ Gefertigt werden mit dieser Technologie etwa anspruchsvolle Teile wie Luftlade- und Reinluftrohre für Autos.

Das Geschäft von Inotec ist, diese Produktion möglich zu machen. „Der Kunde schickt uns eine Zeichnung des Bauteils und sagt, was das Produkt aushalten soll“, schildert Hensel. „Wir entwickeln und bauen das Werkzeug, passen den Prozess an und fertigen schließlich Musterteile.“

Klingt einfach, ist es aber nicht. Damit die Bauteile einwandfrei und makellos gelingen, sind viel Kompetenz und Erfahrung in Prozesstechnik wie auch in der Kunststoffverarbeitung notwendig.

Häufig gehört es zum Auftrag des 80-Mitarbeiter-Unternehmens auch, Maschinen für erste Arbeitsschritte nach dem Blasformen zu konstruieren und zu bauen. Die schweißen dann Halterungen an das Produkt oder arbeiten Metallteile ein. Wenn gewünscht, helfen die Techniker von Inotec dem Kunden zudem, die Produktion hochzufahren.

Die Sachsen stemmen 10 bis 15 Projekte im Jahr – für „renommierte Auftraggeber in Deutschland, Europa und der ganzen Welt“, wie Mitgeschäftsführer Klaus Schneider formuliert. Sein Unternehmen, sagt er, gelte als „einer der wenigen Spezialisten weltweit“ für die Blasformtechnik. Auch deshalb wurde Inotec vor drei Jahren vom Autozulieferer Continental übernommen. Denn die Hannoveraner sehen das Blasformen als Wachstumsmarkt an.


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