Musikalisches Zubehör

Kunststoff bereichert die Welt der Geigen


Wittner stellt im Allgäu musikalisches Zubehör her

Isny. Der Ton macht die Musik. Dabei kommt es auf die Feinheiten an. Bei der Firma Wittner in Isny zählt deshalb Präzision. Das winzige Zahnrad, das Mitarbeiter Johann Walser mit der Lupe prüft, ist Teil des Getriebes, das in dem neuen Wirbel steckt. Damit werden Geige, Bratsche oder Cello gestimmt.

„Unser Wirbel aus Kunststoff ist eine Weltneuheit. Er soll in den nächsten Jahren eine wichtige Umsatzsäule für uns werden“, sagt Horst Wittner, der das Familienunternehmen im Allgäu leitet.

Dort dreht sich seit der Gründung 1895 alles um Zubehör für die Musikbranche. Horst Wittners Großvater begann damals mit der Produktion von Metronomen. „Heute sind wir in der westlichen Welt der einzige Hersteller von mechanischen Metronomen“, erklärt der Enkel stolz.

Doch in die Durmischen sich Moll-Töne: Die Taktgeber tragen heute nur noch 30 Prozent zum Umsatz von Wittner bei – Tendenz fallend.

Vorteile der Feinmechanik

Denn die Zeiten des gemeinsamen Musizierens in der Familie sind vorbei, als das Metronom zur Einrichtung der guten Stube gehörte. Häufiger zum Einsatz kam der Taktgeber in der Vergangenheit auch bei der musikalischen Früherziehung und bei Schreibmaschinenkursen. Außerdem drückt die elektronische Konkurrenz – vor allem aus Asien – das Geschäft.

„Dieser Entwicklung müssen wir uns anpassen, wollen aber nicht in eine andere Branche gehen“, so der Firmenchef. „Und mit Wirbeln kennen wir uns aus.“

Allerdings muss Wittner noch manche Hürde nehmen. Denn der Wirbel ist traditionell aus Holz – das ist in den Köpfen von Musikern und Geigenbauern fest verankert. „Wir müssen deshalb zeigen, dass unsere Kunststoffwirbel mit ihrer Feinmechanik deutliche Vorteile haben, ohne die Musikqualität zu schmälern“, erklärt Wittner.

Im Gegensatz zum Holzwirbel sitzt der neue aus Kunststoff fest im Wirbelkasten. Bei ihm dreht sich nur in der Mitte eine Spule, auf der die Saite aufgerollt ist. Sein feines Räderwerk mit Übersetzung erlaubt dem Musiker eine sehr exakte und schnelle sowie einfache Stimmung seines Instruments.

Den größten Widerstand erwartet Wittner von den Geigenbauern, von denen es allein in Deutschland noch über 1.000 gibt. Denn die befürchten weniger Arbeit, weil der Abrieb, wenn Holz auf Holz kommt, und das Nachstellen der Holzwirbel wegfallen. „Dabei bekommen sie durch das Umrüsten sogar mehr zu tun“, ist sich Wittner sicher. 

Obwohl das Geschäft schwieriger geworden ist, hält der Firmenchef strikt am Standort Deutschland fest. Denn hier hat er die Erfahrung und das Spezialwissen seiner Uhrmacher, Werkzeugbauer, Ingenieure und Schreiner, die es erst ermöglicht haben, den neuen Wirbel zu entwickeln.

Auf die kann Wittner zählen. Von den 70 Mitarbeitern sind mehr als zwei Drittel über 50 Jahre alt. Einige von ihnen sind seit über 40 Jahren im Unternehmen. Auch der Ersatz ist kein Problem. „Zwei Jahre bevor eine Position frei wird, besetzen wir sie neu“, sagt Wittner. „Das ist uns immer gut gelungen.“

Jetzt soll der neue Kunststoffwirbel mit seinem mechanischen Innenleben das Seine dazu beitragen, dass es künftig bei dem Familienunternehmen so bleibt.

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