Krisenbewältigung

Kräfte sammeln und durchstarten


Volvo in Hameln bildet die Mitarbeiter während der Kurzarbeit weiter

Hameln. Noch vor einem Jahr boomte das Geschäft – im Ausland waren die Straßenfertiger aus Hameln gefragt. „Von Januar bis September 2008 hatten wir 130 Prozent gearbeitet“, sagt Torsten Muscharski. Er ist Personalleiter bei Volvo Cons­truction Equipment, ABG Allgemeine Baumaschinen-Ge­sellschaft. „Die Arbeitszeit-Konten waren prall gefüllt.“

Doch im Oktober 2008 krachten die Märkte zusammen, im November wurde die Arbeit bei Volvo knapp, im Dezember ging sie ganz aus.

Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Wollborn ist seit 34 Jahren im Unternehmen. Er kann sich nicht erinnern, dass er eine solch schwere Zeit schon mal erlebt hat. „Aber wir resignieren nicht.“ Mit der Ge­schäfts­füh­rung setzt die Belegschaft auf Qualifizierung während der Kurzarbeit.

Die Absatzkrise wütet in der Baumaschinen-Industrie be­sonders stark: Von Mitte De­zember bis Ende Januar wurde überhaupt nicht produziert – die Bänder standen. Für einige der Mitarbeiter hieß das: Kurzarbeit null.

Schnelle Kompromisse

„Das war schon heftig“, sagt Personalleiter Muscharski. Er musste befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen lassen und sich auch von den Zeitarbeitern trennen. Ohne Kurzarbeit wäre es viel härter gekommen. Im Januar stellte Volvo den Antrag bei der Agentur für Arbeit. „Das ging schnell und unbürokratisch“, sagt Muscharski. „Wir haben Kompromisse gefunden, um keine überflüssigen Formulare ausfüllen zu müssen.“ Das Ergebnis: Für zwölf Monate sind die Anträge bewilligt.

Für die Mitarbeiter ist es nicht einfach. „Das haut beim Geld richtig rein“, erzählt Betriebsratschef Wollborn. „Doch allemal besser als arbeitslos.“

Für die Unternehmen bedeutet Kurzarbeit Glück im Unglück. Das Modell ermöglicht es immerhin, Mitarbeiter trotz rückläufiger Aufträge fürs Erste weiterzubeschäftigen. Der Staat hilft den Betrieben zum Teil, wenn sie ihre Mitarbeiter in dieser Phase zu Schulungen schicken.

„Uns ist es wichtig, dass möglichst viele diese Zeit sinnvoll nutzen“, so Personalleiter Muscharski. Statt zu Hause auf den nächsten Aufschwung zu warten, besuchte ein Großteil der Belegschaft Weiterbildungsveranstaltungen. „Insgesamt haben wir durchschnittlich bei rund 500 Mitarbeitern jeden fast 40 Stunden  im ersten Halbjahr trainiert.“

Breite Palette von Angeboten

So wie Karl-Heinz Maiworm. Er arbeitet seit 20 Jahren im technischen Einkauf, hält Kontakte zu Lieferanten weltweit. Englisch ist für ihn ein Muss. „Deshalb habe ich sofort beim Englisch-Kurs zugesagt“, erzählt er.

„Der Kurs hat mir eine ganze Menge gebracht.“ Mitgemacht haben Mitarbeiter aus allen Abteilungen. Die Palette der Seminarangebote ging von Problemlösungstechniken über Grundlagen der Hydraulik bis hin zu Kranfüh­rerschulungen. Zu den Teilnehmern zählten übrigens auch ältere und gering qualifizierte Mitarbeiter.

„Nach über einem halben Jahr Kurzarbeit gibt es jetzt ein paar wenige Lichtblicke“, ist Muscharski vorsichtig optimistisch. „Einige Märkte wie China zeigen positive Tendenzen. Die Volvo-Vertriebskanäle in Skandinavien, Deutschland und Frankreich helfen unsderzeit, Maschinen  abzusetzen. Die Kurzarbeit hilft uns dabei, einen ‚langen Atem’ zu beweisen.“

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