Herr der Stoffe

Kostümmacher am Theater Mannheim setzt auf Stoffe von Freudenberg

Wie entsteht ein Kostüm für Schauspiel, Oper oder Tanz? Und welche Rolle spielen dabei Vliesstoffe vom Hersteller Freudenberg? Interessante Einblicke hinter die Kulissen gibt Manfred Scholz vom Nationaltheater Mannheim.

Aufführung der Oper „Aida“: Für die Kostümmacher bringt das eine Menge Arbeit. Foto: Hans Jörg Michel

Aufführung der Oper „Aida“: Für die Kostümmacher bringt das eine Menge Arbeit. Foto: Hans Jörg Michel

Chef der Theaterschneiderei: Manfred Scholz liebt die Vielseitigkeit an seinem Arbeitsplatz. Foto: Werk

Chef der Theaterschneiderei: Manfred Scholz liebt die Vielseitigkeit an seinem Arbeitsplatz. Foto: Werk

„Jedes Stück ist eine neue Herausforderung, Zuschauer zu verzaubern.“ Manfred Scholz. Foto: Werk

„Jedes Stück ist eine neue Herausforderung, Zuschauer zu verzaubern.“ Manfred Scholz. Foto: Werk

Mannheim. Vorhang auf. Der Mann ist Erzähler aus Leidenschaft, Erzähler mit Stoffen. „Theater ist Verzauberung, und Kostüme erzählen Geschichten“, berichtet er. Die Bretter, die die Welt bedeuten, haben Manfred Scholz schon früh fasziniert. „In den 1970er Jahren habe ich in einer Maßschneiderei den Beruf des Herrenschneiders erlernt“, berichtet Scholz. „Doch ich wollte kreativ sein und habe mich schon während der Lehre am Theater beworben.“

Acht Jahre musste Scholz warten. Heute leitet er die Kostümschneiderei am Nationaltheater Mannheim und erzählt gemeinsam mit seinem Team Geschichten aus Stoffen für Schauspiel, Oper und Tanz. Etwa 40 Premieren gibt es in einer Spielzeit, darunter viele Opern mit aufwendiger Kleidung. Ob Stufenrock oder Biedermeier-Stil – Vliesstoffe der Freudenberg-Gruppe sorgen dafür, dass aus Ideen schöne Kostüme werden.

Erste Szene. In der Luft liegt ein Duft von Secondhand-Laden, Turnhalle und Stoffen. 60.000 Kostüme hängen im Fundus der Theaterschneiderei. Mieder im Stil des Barock, Kleider mit hohem Empirekragen oder mit Pailletten. „Oft werden Kostüme künstlich alt gemacht, gefärbt und verschmutzt. Das gab schon Tränen bei Schneiderinnen“, sagt Scholz. „Aber das ist Theater; wer nur schön nähen will, muss in die Mode gehen.“ Für Kostüme, die filigran und leicht wirken oder in die Bewegung gebracht werden müssen, nutzen die Schneider Einlagestoff des Herstellers Freudenberg in Weinheim. Der wird geschnitten und vernäht, etwa zu Wellen und zu Fransen.

Ob Plácido Domingo oder Angela Denoke – Scholz kennt viele namhafte Künstler. „Alles wird auf den Leib geschneidert“, sagt er. „Und natürlich kennen wir das Seufzen von Stars, wenn sie sagen: ,Also nein, das bin ich nicht. In diesem Kleid finde ich mich nicht wieder.‘“ Das ist der Moment, in dem psychologisches Geschick und Überzeugungsarbeit gefragt sind.

Zweite Szene. Etwa 50 Damen- und Herrenschneider, Hut- und Schuhmacher sowie Gewandmeister arbeiten in der Kostümschneiderei. Sie sind auch abends hinter den Kulissen dabei. „Man hilft Künstlern blitzschnell in eine andere Verkleidung, mit rasendem Puls, das ist Theater“, erzählt Scholz.

Doch wie entsteht eigentlich ein Kostüm? Zuerst besprechen Regisseur und Kostümbildner das Konzept des Stücks, viele Klassiker werden ja ganz modern inszeniert. Der Kostümbildner fertigt Zeichnungen. Danach erstellen die Gewandmeister Schnittmuster. Sie sind es auch, die mit dem Kostümbildner besprechen, welche Ideen umsetzbar sind und welche vielleicht nicht.

„Wenn sich die Kostümbildner mit ihrer Kunst behaupten, dann entsteht auf der Bühne Großes“, weiß Scholz. „Heute fehlen manchmal Mut und Vorstellungskraft, groß und neu zu denken. Das ist schade.“ Trotzdem gibt es natürlich ein festes Budget für jedes Stück, und nicht jedes Kleid wird neu genäht, das wäre zu teuer.

Eine Woche vor der Premiere starten die ersten Proben mit Kostümen, Maske und Licht. „Dann lernen Künstlerinnen, mit Reifröcken umzugehen. Sie verwandeln sich vor dem Spiegel in eine Dame, wenn sie Turnschuhe gegen Absatzschuhe tauschen und elegant schreiten“, berichtet Scholz.

Dritte Szene. Surrende Nähmaschinen, Garnrollen in allen Farben und dampfende Bügeleisen: In der Damenschneiderei wird emsig gearbeitet. „Kein Tag ist wie der andere“, sagt Schneiderin Barbara Käsbauer. „Oft tüfteln wir lange an den Details von Kostümen. Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Materialien, edlen Stoffen, Vlies, Leder oder Plastik.“

Einlagestoffe müssen sich färben und bleichen lassen

Einlagestoffe von Freudenberg sorgen in der Kostümschneiderei für die optimale Passform von Blazern, Hosen und anderen Kleidungsstücken. Für eine hohe Elastizität in alle Richtungen hat das Technologieunternehmen spezielle Vliesstoffe entwickelt. Im Theater werden viele Kleidungsstücke bedruckt, gefärbt oder gebleicht. Die Einlage muss das unbeschadet überstehen. Sie soll für viele Oberstoffe einsetzbar sein, gut haften und Hitze sowie Kälte aushalten, ohne sich zu verformen.

Vorhang zu. Wenn abends auf der Bühne die Scheinwerfer angehen, ist für Scholz der schönste Moment gekommen. „Bei jedem Stück sehe ich unmittelbar das Ergebnis unserer Arbeit. Das ist toll“, sagt er. „Jedes Stück ist eine neue Herausforderung, Ideen umzusetzen und die Zuschauer mit den Geschichten zu verzaubern. Das gelingt nicht immer. Aber wenn es gelingt, dann ist das Magie.“


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