Standort D

Konzern investiert 190 Millionen


B.Braun baut neue Fabrik und schafft 80 Arbeitsplätze in Nordhessen

Melsungen. Millionen „in den Sand“ setzen? Das macht das Medizintechnik- und Pharma-Unternehmen B.Braun Melsungen nur zu gerne – in seiner Baugrube in Nordhessen. Hier entsteht gerade für 190 Millionen Euro eine neue Fabrik. Von Melsungen aus will man ab 2010 Kranke, die Nahrung nicht mehr auf natürlichem Weg zu sich nehmen können, weltweit mit „Ernährlösungen“ versorgen. „Das ist einfach toll“, freut sich Staplerfahrer Timo Blumenstein.

Seit drei Jahren arbeitet Blumenstein als Kommissionierer für das Familienunternehmen: „Ich gehe jeden Tag an der Baugrube vorbei. So was baut nicht jede Firma, das macht stolz“, sagt er. Stimmt: Die neue Fabrik mit eigenem Labor ist Teil eines 1,4 Milliarden Euro schweren weltweiten Investitionsprogramms. Die Hälfte davon fließt binnen drei Jahren nach Deutschland. Der dickste Brocken ist der Neubau „Life Nutrition“ („Nahrung“). Die Erweiterung bringt 80 neue Arbeitsplätze: „Es lohnt sich eben doch, in Deutschland zu investieren“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Peter Hohmann. „Wir haben hier in den letzten Jahren über 500 Mitarbeiter neu eingestellt, das ist ein respektables Ergebnis.“

Zukunftsfähig dank Zusatzstunden

Im Gegenzug hat sich die heute 5.500 Köpfe zählende Belegschaft vor Ort verpflichtet, bis zum Jahr 2014 mehr zu arbeiten: 546 Stunden zusätzlich, Weiterbildung inklusive. „Das macht uns zukunftsfähig“, lobt Vorstand Meinrad Lugan. Hohmann lächelt: „Es sichert uns zudem eine erfreuliche Erfolgsbeteiligung.“ Auch Staplerfahrer Blumenstein gefällt der Deal: „Die Werkerweiterung ist ‘ne echte Sicherheit. Dafür arbeite ich gern mehr.“

Motor des Riesenprojekts ist das selbst entwickelte Produkt: Die Ernährlösung enthält Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette – also alles, was der Mensch neben Wasser und Mineralien braucht. Alle Bestandteile stecken in einem Beutel, lagern aber fein säuberlich getrennt in einzelnen Kammern. „Bei Bedarf drückt man die Trenn-Nähte auf und alles mischt sich“, erklärt Lugan. So verpackt, hält die Lösung selbst ungekühlt über Monate. Als Gemisch würde sie schnell verderben.

Spannend: Während des Baus tüfteln Forscher und Planer gleichzeitig daran, das Produkt, den Beutel, die Sterilisation und den Vertrieb weiter zu verbessern. Am Ende will man statt der heute zwei Millionen Mehrkammerbeutel zehn Millionen herstellen und verkaufen.

Planungs-Tipps von der Basis

Damit der Plan aufgeht, helfen auch Praktiker tatkräftig mit. Wie Björn Dortants: Der chemisch-technische Assistent wiegt und kontrolliert den Ansatz der Ernährlösung in der schon bestehenden Anlage „Life 1“. Sein Tipp: „Gleich die richtige Arbeitshöhe anpassen und für kürzere Wege sorgen.“ Und Werkleiter Guido Körber rät nach seiner Erfahrung mit der Vorgängerfabrik: „Alle Maschinen vorab auf Herz und Nieren prüfen – nicht erst, wenn sie in der Halle stehen!“

Sabine Latorre

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