Textilindustrie

Konzentriert durch die Krise


JUMBO setzt im Jubiläumsjahr auf noch mehr Vielfalt

Seit genau 100 Jahren gibt es die Firma jetzt. Aber deshalb eine große Feier? Andreas Kielholz, Chef der Wuppertaler Firma JUMBO-Textil, winkt ab: Er hat andere Sorgen. Umsatz im ersten Halbjahr? Einbruch im wichtigen Geschäft mit der Automobilbranche – und daher „minus 20 Prozent über alles“. Kurzarbeit, wie in so vielen Betrieben? Kielholz nickt: „In der Flechterei – bis zu einer deutlichen Besserung.“

Doch seine rund 70 Mitarbeiter müssen offenbar keine Angst haben, ausgerechnet im Jubiläumsjahr den Job zu verlieren: Kielholz geht davon aus, „jetzt ohne große personelle Einschnitte durch die Krise zu kommen“.

Kunden von BMW bis Playmobil

Denn das Unternehmen hat  nicht nur „eine sehr gute Kapitalbasis“ – es ist seit kurzem noch breiter aufgestellt als zuvor schon. JUMBO bietet mehr als 1.000 verschiedene Produkte: Boss und BMW stehen ebenso auf der Kundenliste wie Leitz oder Playmobil.

Bereits in den 20erJahren hatte Firmengründer Alfred Schnakenberg auf Flechtmaschinen gesetzt: Sein Betrieb spezialisierte sich auf elastische Ware für die Bekleidungsindustrie, zum Beispiel Gummilitzen. Heute trägt das klassische Geschäft mit den Modefirmen nur noch ein Zehntel zum Umsatz bei. Denn vor fast 30 Jahren hatte die Firma begonnen, auf  Technische Textilien zu setzen – heute das mit Abstand wichtigste Geschäftsfeld.

Das Know-how in Sachen  Elastizität zahlte sich bald unverhofft aus: Als das Bungee-Springen in Mode kam, lieferte JUMBO die Seile. Das ist zwar Geschichte. Mehr als daumendicke Ware, die je nach Kundenwunsch mehr oder weniger nachgibt, hat die Firma aber immer noch im Programm – ebenso wie ganz dünne Litzen, wie sie etwa als „Eckspanner“ an Büromappen zu finden sind.

Hauseigene Schlosserei

Im Betrieb wird nicht nur geflochten, sondern auch gewebt und gewirkt. „Dazu kommt Wissen aus den Bereichen Metall und Kunststoff“, betont der Chef, „weil wir Produkte haben, die weit über das Textil hinausgehen.“ Etwa textile Netzsysteme für Auto-Hersteller – Drahtrahmen inklusive. Oder Gummikordeln mit Kabelschuhen. Oder umflochtene Kunststoffschläuche.

Das erfordert nicht nur spezielle Maschinen – der Mittelständler hat sogar eine hauseigene Schlosserei: „Unsere Zuführtechnik ist weitgehend Eigenbau“, verrät Kielholz.

Gefertigt wird auftragsbezogen, die Entwickler und der Vertrieb arbeiten eng zusammen. Ob ein Vorprodukt für Kinderspielzeug „speichelecht“ sein muss oder eine Ware flammhemmend ausgerüstet werden soll – die Wuppertaler Experten können damit dienen.

Jetzt auch Binden und Bandagen

Und nun ist die technologische Bandbreite sogar noch gewachsen: JUMBO hat die in nächster Nähe ansässige Firma Sterthues im Rahmen einer geordneten Nachfolge gekauft. Diese Tochter ist ein altgedienter Bänder-Spezialist, sie produziert zum Beispiel Binden und Bandagen für Abnehmer aus Orthopädie und Medizin.

Dabei ist Sterthues  nicht einfach nur übernommen worden: Menschen und Maschinen sind inzwischen schon in die JUMBO-Hallen umgezogen, das alte Sterthues-Gelände soll verkauft werden.

Eingefädelt war diese Fusion laut Kielholz schon lange vor der Krise – und es war klar, dass die Zusammenlegung einige Jobs kosten würde. Angesichts des aktuellen Umsatzeinbruchs entschloss sich Kielholz dann aber zu „etwas mehr Personalabbau als geplant“. Den harten Schnitt hat JUMBO damit offenbar schon hinter sich – auch wenn die aktuelle Auftragslage noch kein Grund zum Feiern ist.

Thomas Hofinger

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