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Zielstrebige Fachkräfte bei Metall & Elektro

Konstrukteur der Firma Arca am Niederrhein ist auch erfolgreicher Bogenschütze

Konzentration und eine ruhige Hand braucht Josef Gentges bei seinem Hobby: Bogenschießen. Diese Eigenschaften sind auch in seinem Job gefragt. Der Konstrukteur der Firma Arca entwirft Regelgeräte für Industriearmaturen.

Schütze Josef Gentges (Mitte): „Von wegen, Bogenschießen ist kein Sport.“ Foto: Privat

Schütze Josef Gentges (Mitte): „Von wegen, Bogenschießen ist kein Sport.“ Foto: Privat

Gut getroffen: Bogenschießen erfordert höchste Konzentration - und eine ruhige Hand. Foto: privat

Gut getroffen: Bogenschießen erfordert höchste Konzentration - und eine ruhige Hand. Foto: privat

An seinem Arbeitsplatz bei Arca Regler im rheinischen Tönisvorst: Konstrukteur Gentges ist auch Ausbilder. Foto: Roth:

An seinem Arbeitsplatz bei Arca Regler im rheinischen Tönisvorst: Konstrukteur Gentges ist auch Ausbilder. Foto: Roth:

In der Fertigung: Gentges mit Maschinenbautechniker Christian Fladt an einem Regler für ein Kraftwerk. Foto: Roth

In der Fertigung: Gentges mit Maschinenbautechniker Christian Fladt an einem Regler für ein Kraftwerk. Foto: Roth

Tönisvorst. Tief Luft holen, die Sehne spannen – und der Pfeil schießt Richtung Zielscheibe. Volltreffer! Nach der Arbeit steht Josef Gentges oft zwei Stunden auf dem Rasen, genießt „die absolute Ruhe oder das Klönen mit den Sportkameraden“. Und wehe, einer behauptet, Bogenschießen sei kein Sport! „Auf Turnieren schießt man manchmal mehr als 150 Pfeile ab – und läuft mehrere Kilometer, um sie zurückzuholen“, sagt er. Der drahtige 61-Jährige hat es sogar vor Jahren zum Landesmeister in seiner Altersklasse gebracht.

Konzentration und eine ruhige Hand braucht Gentges auch im Job. Er ist Konstrukteur. Bei Arca Regler in Tönisvorst (Niederrhein) entwirft er Regelgeräte für Industriearmaturen. Sie empfangen Daten aus der Leitungswarte und geben den Befehl an den Antrieb weiter. Der öffnet oder schließt das Ventil, um einen konstanten Druck in der Leitung zu gewährleisten.

Arca produziert Regelventile auch für Fabriken mit leicht brennbaren Stoffen

Arca-Ventile kommen in der Chemie, der Lebensmittel-Industrie, in Raffinerien und Stahl- sowie Kraftwerken zum Einsatz. Das Familienunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern am Stammsitz Tönisvorst (weltweit sind es 500) exportiert bis zu 80 Prozent der Produkte direkt – oder indirekt über seine Kunden. Manche dieser Armaturen regeln den Durchfluss von Gasen und Flüssigkeiten in „explosionsgefährdeten Bereichen“ (Ex), wie es Fachleute ausdrücken. Etwa in Fabriken, wo mit leicht brennbaren Stoffen gearbeitet wird. „Für solche Zwecke sind die Regelgeräte in dicken Stahlgehäusen verpackt, damit kein Funke nach außen fliegt“, erklärt Gentges, der auch der Ex-Schutzbeauftragte der Firma ist.

Bei Arca hat er seine Ausbildung zum technischen Zeichner gemacht: 45 Jahre ist das her! „In den 70er Jahren standen die Zeichner noch in einer Reihe in weißen Kitteln und arbeiteten mit Tusche und Bleistift“, erinnert er sich. Das ist vorbei – dank Computer mit CAD-Programmen. „Mit dreidimensionalen Modellen sieht man das künftige Produkt ganz plastisch vor sich“, so Gentges.

„Ich habe den Leuten immer schon gern etwas erklärt“

Vom Zeichenbrett zur CAD-Datei: Dafür war manche Weiterbildung nötig. Zunächst einmal machte Gentges nebenberuflich den Techniker-Abschluss, die Basis für seine Konstrukteur-Tätigkeit. Dann noch den Ausbilderschein, „weil ich den Leuten immer schon gern etwas erklärt habe“. Fast alle seiner sieben Kollegen in der Konstruktionsabteilung hat er im Lauf der Jahre ausgebildet – einschließlich des Abteilungschefs. Zurzeit betreut Gentges einen dualen Studenten, der technisches Produktdesign lernt.

Auch mit 61 lernt er stets hinzu, denn bei der Software muss er immer up to date bleiben: Dafür gibt es Schulungen der Softwarehersteller. „Aber oft wird Neues auch einfach unter Kollegen weitergegeben.“ Als Ex-Schutzbeauftragter muss er zudem jährlich vorgeschriebene Seminare absolvieren, um die aktuellen Sicherheitsnormen zu kennen.

Seit seinem 18. Geburtstag bei der freiwilligen Feuerwehr

Gelernt hat Gentges früher auch in der Freizeit: bei der freiwilligen Feuerwehr in Tönisvorst, der er seit seinem 18. Geburtstag angehört. „Die freiwillige Feuerwehr ist bei uns Familientradition“, erzählt er. Schon sein Vater und Onkel waren dort aktiv. Mit 60 schied der Brandinspektor aus dem aktiven Dienst vorschriftsmäßig aus, ist nun Ehrenmitglied.

Pläne für den Ruhestand? Hat er noch keine. Außer natürlich: das Bogenschießen. Letzten Sommer, sagt er, habe er einen 83-Jährigen kennengelernt, der sich gerade einen neuen Bogen gekauft hatte. „Wie er geschossen hat, einfach traumhaft! Wenn ich das auch noch so gut mit 83 kann …“ Und der neue Bogen, habe der alte Schütze erzählt, solle mindestens noch 20 Jahre halten.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ventile kannte ich früher nur von meinem Fahrrad. Per Zufall erfuhr ich, dass Arca technische Zeichner sucht. Später drängte mich mein damaliger Abteilungsleiter, den Techniker zu machen.

Was reizt Sie am meisten?

Am Ende ein fertiges Produkt in den Händen zu halten, das die Anforderungen der Kunden erfüllt und am Markt erfolgreich ist.

Worauf kommt es an?

Auch nach langer Berufserfahrung offen für neue Wege zu sein und sich ständig weiterzubilden.


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