2001 drohte fast das Aus

Kompressoren und Gebläse von Piller sind seit über 100 Jahren weltweit ein Begriff

Ob in den USA, China oder Singapur – die Gebläse und Kompressoren der Firma Piller sind gefragt. 85 Prozent der Produktion gehen in den Export. Benötigt werden sie in der Industrie, wo sie 360 Tage im Jahr rund um die Uhr laufen.

Erfolgreiche Spezialanfertigungen: Nils Englund hat die Firma Piller zusammen mit Partner Bernd Klostermann vor dem Aus bewahrt. Foto: da Silva

Erfolgreiche Spezialanfertigungen: Nils Englund hat die Firma Piller zusammen mit Partner Bernd Klostermann vor dem Aus bewahrt. Foto: da Silva

Moringen. Alles nigelnagelneu! Vor einigen Wochen erst wurde der Neubau des Verwaltungsgebäudes vollendet: Für sämtliche Mitarbeiter gibt es jetzt moderne Büros. „Im Oktober sind wir eingezogen“, freut sich Nils Englund, geschäftsführender Gesellschafter der Piller Blowers & Compressors.

Beim Rundgang über das Gelände am Standort in Moringen nördlich von Göttingen spricht er jeden Mitarbeiter mit Namen an. „Ich bemühe mich, alle Namen der 320 Mitarbeiter zu kennen“, sagt der 63-Jährige und lacht. Das sei ihm wichtig.

Piller ist ein Global Player und fertigt ausschließlich nach Kundenwunsch Gebläse und Kompressoren für die Industrie. Die Endkunden kommen aus Branchen wie Pharma oder Chemie.

Weiter geht der Rundgang: Der Ausbau der ehemaligen Produktionshalle ist bereits fertig. Obwohl hier Funken sprühen, sind die Arbeitsplätze auffallend sauber. Schwere Stahlteile werden zu Ventilatoren zusammengeschweißt. Im Anschluss werden sie per Schiff in die ganze Welt gebracht. „Unsere Exportquote liegt bei 85 Prozent und mehr“, weiß Englund.

Das sah 2001 ganz anders aus. Damals übernahm er das Unternehmen in einem Management-Buy-out zusammen mit seinem Partner, Bernd Klostermann.

Bis heute 36 Millionen Euro ins Werk investiert

„Die Alt-Gesellschafter konnten die von den Banken geforderten Gelder nicht aufbringen“, erinnert sich Englund. Die Arbeitsplätze waren in Gefahr. Da haben sie sich ein Herz genommen und alles auf eine Karte gesetzt. „Das Risiko hat sich gelohnt“, sagt der Gesellschafter. 2003 konnte Piller den Break-even-Point wieder erreichen, heute steht die Firma auf gesunden Füßen. „Seitdem sind wir Jahr für Jahr profitabel gewachsen“, freut sich Englund. Bis jetzt haben sie 36 Millionen Euro investiert.

Von Los Angeles bis Tokio – es gibt kaum eine Nation auf der Welt, die noch nicht mit einem Produkt von Piller beliefert worden ist. Das Besondere: Jedes gelieferte High-End-Produkt ist ein Unikat. Bei Hochleistungsgebläsen macht den Moringern so schnell keiner etwas vor. „Mit gutem Grund! Denn wir überzeugen mit unserem Know-how, entstanden aus über 100 Jahren Erfahrung“, ist der Chef stolz.

Der Markt für Gebläse dieser Art ist klein. Englund schätzt das Volumen auf 800 Millionen Euro pro Jahr. Piller setzt jährlich rund 67 Millionen Euro um. „Wir überzeugen mit Qualität, da spielt der Preis nicht die entscheidende Rolle.“

Die Ansprüche an solche Gebläse sind hoch: „Ein Ventilator von Piller muss 360 Tage im Jahr rund um die Uhr ohne eine Panne laufen.“ Die restlichen fünf Tage entfallen rechnerisch auf Wartungsarbeiten.Das funktioniert bei Piller dank der motivierten Mitarbeiter und des guten Qualitätsmanagements. Da habe sich auch so etwas wie ein „familiäres Gefühl“ zur Firma entwickelt. „Bei uns wird viel gelacht, die Mitarbeiter kommen gerne zur Arbeit“, sagt der Chef zufrieden.

Die Zusammenarbeit und Inputs der Mitarbeiter sind ihm wichtig. Jeder soll sich einbringen können, die Hierarchien seien bewusst flach. Das Feedback der Mitarbeiter soll auch zu deren Vorteil sein. „Wir haben seit mehr als zehn Jahren eine Gewinnbeteiligung“, erzählt der Gesellschafter.

Demnächst will Piller die Präsenz vor Ort verstärken. Zu den Niederlassungen in den USA, China und Singapur sollen weitere in Brasilien und Indien folgen.

Als Nächstes geht es um Englunds eigene Zukunft. Denn nun soll die Nachfolge geregelt werden. „Die ist gerade in Planung“, verrät Englund mit einem Lächeln. Er selber werde sich aber nicht ganz aus dem Unternehmen zurückziehen.


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