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König der Lüfte


Präzise im Hobby wie im Job: Birk Steinbrecher und seine Flugzeuge

Freiberg/Selb. Wer zuerst abheben darf, das regelt der Chef auf dem Flugplatz: Birk Steinbrecher ist Vorsitzender eines Modellflugclubs. Er organisiert die Treffen, hat die Genehmigung für das Fluggelände eingeholt und den Verein gegründet.

Am liebsten baut der Ingenieur für physikalische Technik aber selbst seine Modelle zusammen, um sich dann beim Jungfernflug davon zu überzeugen, dass die Flugzeugtechnik in Miniaturform 100-prozentig funktioniert.

Bei seinem Hobby kommt ihm sein berufliches Wissen, etwa über Materialeigenschaften zugute – und seine Genauigkeit.

Denn Steinbrecher ist Service-Ingenieur bei der Firma Netzsch im oberfränkischen Selb. Für den Bereich Gerätebau ist er geschäftlich in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz unterwegs. Bei den Kunden vor Ort installiert und wartet er Messgeräte, die physikalische Eigenschaften von Materialien prüfen. Die Apparate stehen in Labors und Firmen, etwa in der Automobil-Industrie. Dort testen sie zum Beispiel, wie Leichtmetalle auf extreme Hitze reagieren.

„Da ist für mich Präzisionsarbeit Pflicht“, betont der 37-Jährige, der seinen Wohnsitz im sächsischen Freiberg hat und nach Bayern zur Arbeit fährt. „Denn die Geräte müssen absolut funktionssicher sein.“ Würde etwa bei einem Test ein Materialfehler übersehen werden, könnte ein Total-Ausfall des Motors Menschenleben kosten.

Auf das Material kommt es an

Detailgenau arbeiten und Technik in all ihren Facetten erleben – diese Motive haben Steinbrecher auch zum Modellflug gebracht: „Das Faszinierende daran ist die Vielseitigkeit!“, sagt er mit Tüftler-Freude in den Augen.

Da sind millimetergenaue Pläne zu zeichnen, fachgerecht elektronische Schaltungen anzubringen und das richtige Material zu verbauen: „Ich muss leichtes Holz und Kunststoff wählen, sonst ist die benötigte Antriebsleistung zu hoch“, fachsimpelt Steinbrecher.

Natürlich kommt es auf Größe und Technik der Flug-Objekte an – aber Fehler können auch schon beim Segelflieger fatal sein.

„Es ist schon frustrierend, wenn einem nach wochenlanger Arbeit das Flugzeug dann plötzlich in den Acker stürzt“, erzählt Steinbrecher. Doch über solche seltenen Missgeschicke in seiner nun schon 17-jährigen Hobby-Piloten-Laufbahn kann er mittlerweile schmunzeln.

Sein nächstes Projekt wartet schon: Im Winter will sich Steinbrecher Zeit nehmen für die F4U Corsair. Das ist ein Rennflugzeug und Modell der Spitzenklasse, das in Reno im US-Bundesstaat Nevada Luftrennen fliegt.

Alles im Wohnwagen

Bis September sind seine Wochenenden bereits ausgebucht: Ist er nicht auf dem Flugplatz in Freiberg aktiv, nimmt er an auswärtigen Flugschauen teil, zum Beispiel in Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz.

Dafür fährt er auch Hunderte Kilometer weit: „Dann packe ich meine Flugzeuge in den Wohnwagen – und los geht’s“, freut er sich auf die nächsten Treffen.

Christine Arnold

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