„Nicht Partner, sondern Melkkühe“

Knoll Maschinenbau hat im Ländle viel investiert. Doch man sieht auch Probleme …

Bad Saulgau. Er ist der Herr der Hallen: 8.000 Quadratmeter groß ist die neueste, etwa 55.000 Quadratmeter umfasst das ganze Werk. Jürgen Knoll steht mittendrin in seinem Unternehmen. Und das ist wie aus dem Bilderbuch: familiengeführt, innovativ, bodenständig. Für Knoll ist klar: „Wir setzen auf unseren Standort und fühlen uns mit der Region verbunden.“ Dennoch ist er nicht nur glücklich mit den Rahmenbedingungen.

„Es hat viele Vorteile, hier zu produzieren“, so schickt er vorweg. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens zeigt das: Seit der Gründung durch seinen Vater im Jahr 1970 ist Knoll Maschinenbau kräftig gewachsen und beschäftigt heute 950 Mitarbeiter. In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz auf 155 Millionen Euro verdoppelt. Wo ist also das Problem?

„Wir sind jetzt an einem Punkt, wo unsere Konkurrenzfähigkeit für lohnintensive Produkte leidet“, erklärt der Chef, der den Betrieb mit seinem Bruder Matthias führt. Deshalb will das Unternehmen, das bisher ausschließlich in Bad Saulgau produziert, im Ausland eine zusätzliche Fertigung aufbauen.

Dort sollen einfache Bauteile hergestellt werden. Der Grund: „Eine unverhältnismäßige Lohnentwicklung.“ Die Tarifgehälter in der Metall- und Elektrobranche legten zuletzt um 3,4 Prozent zu: „Die Löhne sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Produktivität.“

Für ihn liegt auf der Hand: „Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Zumal bei uns der Anteil der Personalkosten am Umsatz mit 35 Prozent sehr hoch ist.“ Der Maschinenbauer produziert vorwiegend Förder- und Filteranlagen, die an Werkzeugmaschinen angeschlossen werden. Diese Anlagen transportieren Späne und versorgen die Maschinen mit gereinigten Kühlschmierstoffen. Damit ist die Firma in Europa Marktführer.

Zentrum des Produktion bleibt der Stammsitz, hier wird kräftig gebaut. „Masterplan“ nennt Knoll den Ausbau und die Erneuerung der Fertigung. 45 Millionen Euro investiert das Unternehmen.

Der Neubau sei manchmal mühsam gewesen: viele Auflagen, Vorschriften, Gesetze, Kontrollen, beklagt Knoll. „Es ist fast nicht möglich, alles richtig zu machen.“ Ihm fehlt generell die Wertschätzung durch die Politik: „Der Staat sieht uns produzierende Unternehmen nicht als Partner, sondern als Melkkühe.“

„Politik macht Fehler bei Erbschaftsteuer“

Das geänderte Erbschaftsteuergesetz wird seiner Meinung nach die Existenz vieler mittelständischer Unternehmen in Deutschland gefährden. „Das ist ein großer Fehler der Politik“, betont Knoll. „Firmenvermögen ist mit Privatvermögen nicht vergleichbar. Sollte der Erbe es anschließend verkaufen, fallen ohnehin Steuern an.“

Auch die Rente mit 63 macht ihm Sorgen: „Fünf bis sechs gute Leute, deren Erfahrung wir brauchen, verlieren wir dadurch jedes Jahr.“ Es sind viele kleine Dinge, die ihn stören, weil sie aus seiner Sicht unnötig sind und er sich ausgebremst fühlt. Dennoch ist er stolz, wenn er in der neuen Halle steht.

Und er ist überzeugt: „Der größte Vorteil hier am Standort sind unsere sehr gut ausgebildeten, loyalen und fleißigen Mitarbeiter.“


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