Männer im heißen Einsatz bei Friedr. Lohmann

Klingen aus Witten schneiden WC-Papierrollen in aller Welt

Witten. Nicht das Runde ins Eckige bringen, sondern aus dem Eckigen was Rundes machen – das ist der Job von Andreas Westerkamp und Peter Muszkiewicz. Die beiden malochen in der Schmiedehalle der Firma Friedr. Lohmann in Witten. Und sie sind ein starkes Team.

Während Westerkamp am Schaltpult im Glashaus mit sechs Joysticks die halb automatische Schmiedepresse steuert, hantiert sein Kollege im silbrigen Schutzanzug mit dem Besen direkt am rot glühenden Stahlklotz. Der wird Zentimeter für Zentimeter mit donnernden Hammerschlägen rund geschmiedet.

Da kommt es vor allem auf die sauberen Kanten an. „Jeder Stahl hat seine besonderen Eigenschaften, jeder Block reagiert anders“, erklärt Westerkamp. „Da braucht man schon einiges an Erfahrung, um das auf Maß und ohne Risse hinzukriegen.“ Was hier bei Lohmann zu Stäben geschmiedet oder zu dünnen Blechen warmgewalzt wird, ist etwas Besonderes: ein geschmeidiger, dabei aber sehr schnittfester Stahl.

Gefragt ist er vor allem in der Messer- und Sägen-Industrie. „Wir bedienen eine Nische. Er kommt zum Einsatz, wo es schnell und heiß hergeht“, sagt Gunnar Lohmann-Hütte, einer von drei Geschäftsführern, und schmunzelt: „Überall da, wo man bei der ‚Sendung mit der Maus‘ die Zeitlupe braucht.“

Acht von zehn Toilettenpapierrollen weltweit werden mit Messern aus dem hochlegierten Stahl geschnitten

80 Prozent aller Toilettenpapierrollen weltweit werden mit Messern aus dem hochlegierten Stahl geschnitten – eine Kunst, denn das weiche Vlies muss in einem schnellen Schnitt ebenso sauber getrennt werden wie der harte Pappkern.

Marktführer ist Lohmann auch beim Material für die Kuttermesser, die Fleisch für die Wurstfabrikation zerkleinern, oder bei den Messern, mit denen der Fisch auf hoher See verarbeitet wird.

„Dafür braucht der Stahl eine homogene Struktur, damit die Messer sich schnell drehen können“, erklärt Vertriebschefin Katja Lohmann-Hütte. „Sie müssen viel schneiden, dürfen nicht warm werden, nicht rosten, nicht brechen.“

Rund 200 verschiedene Qualitäten hat das Unternehmen (350 Mitarbeiter, 80 Millionen Euro Jahresumsatz) im Angebot, zu dem auch eine Gießerei gehört. „Stahl kochen – das funktioniert ähnlich wie eine Backmischung“, erklärt Gunnar Lohmann-Hütte. „Wir schmelzen Schrotte ein und würzen das Ganze mit Nickel, Wolfram, Kobalt, Chrom oder Molybdän. Umrühren, abschmecken, fertig.“

Die Gewürzmischung macht’s, und das eine oder andere gut gehütete Geheimnis in der Bearbeitung. Der „Teig“ wird in eine Form gegossen und dann geschmiedet oder gewalzt. Je nach Auftrag werden mit dem Laser noch exakte Kreise aus den Platten geschnitten, mit möglichst wenig Verschnitt. Und das funktioniert, so Gunnar Lohmann-Hütte, wie beim Plätzchenausstechen.


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