Für Gebäude und Weiterbildung

Klingele investiert viele Millionen in sein Wellpappenwerk

Werne. Ungewöhnliche Klänge in der Produktion des Klingele-Wellpappenwerks Werne (Kreis Unna): Presslufthämmer wummern, ein Bagger schaufelt Geröll.

Die Bauarbeiter schaffen Platz für neue Fundamente, die eine moderne Inline-Verpackungsmaschine tragen sollen. Einige Meter entfernt produziert schon eine moderne Sechsfarben-Druck-Stanzmaschine.

Über 5 Millionen Euro werden hier allein in diesem Jahr in Gebäude, in Maschinen und auch in die Weiterbildung investiert: „Wir machen uns fit für die Zukunft“, sagt Werkleiter Ekkehard Dürr.

Moderne Kesselanlage spart Geld – und schont die Umwelt

Der Betrieb in Werne hat aktuell knapp 215 Mitarbeiter und gehört zur Klingele-Gruppe, einem der führenden unabhängigen Hersteller von Wellpappenrohpapieren und Verpackungen aus Wellpappe mit Sitz in Remshalden (Baden-Württemberg). 2015 will die Gruppe, die insgesamt mehr als 1.200 Menschen beschäftigt, erstmals die Marke von 350 Millionen Euro Umsatz knacken. Dafür wird seit vielen Jahren kräftig investiert.

Am Standort Werne läuft in diesen Wochen auch noch eine neue Kesselanlage an, die künftig die Energie für die gigantische Wellpappenanlage liefern wird. Das soll dann jeden Monat Energiekosten in fünfstelliger Höhe sparen – und deutlich weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen als bisher. „Da freuen sich dann die Umwelt und der Geldbeutel“, sagt Kesselwärter Rudi Hermann, seit 28 Jahren in der Firma.

Effizienter zu werden: Das treibt viele Wellpappenwerke um. Denn die Branche steht unter Druck. Im ersten Halbjahr sind nach Angabe des Verbands VDW 1,4 Prozent mehr Quadratmeter abgesetzt worden als im ersten Halbjahr 2014 – aber die Durchschnittserlöse sind gesunken. Auch wegen steigender Preise des Hauptrohstoffs Papier.

Ein wichtiger Kunde der Werke ist traditionell der Handel. Viele Produkte sind auf dem Weg ins Geschäft oder zum Endverbraucher in Wellpappe verpackt. Maßgeblicher Wachstumstreiber ist der Online-Handel, spezielle TV-Kanäle sorgen ebenfalls für reichlich Bestellungen. „Die damit verbundenen logistischen Herausforderungen sind sensationell“, sagt Klingele-Werkleiter Dürr. „Oft muss Ware innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert werden – bei Zigtausenden von Bestellungen.“

In Werne verlässt daher alle paar Minuten ein Lkw den Betrieb, um Transportverpackungen zu einem nahe gelegenen Versandhändler zu bringen – „just in time“, also genau passend zum jeweils aktuellen Bedarf. „Oft wissen die heute selbst noch nicht, was sie morgen an Verpackungen brauchen“, sagt Dürr. Entsprechend flexibel müssen denn auch seine Mitarbeiter reagieren.

Höhere Preise sind bei großen Kunden oft kaum noch durchzusetzen. Auf diesen Druck antwortet Klingele mit einer extrem schlanken, durchorganisierten Produktion: „Seit rund drei Jahren arbeiten wir daran“, sagt Dürr, „übrigens unterstützt von Porsche Consulting – und die Mitarbeiter ziehen mit.“

Dürr versteht es, seine Belegschaft zu motivieren. Viele Mitarbeiter kennen ihren Chef schon sehr lange: 1984, mit 17 Jahren, begann er in Werne seine Ausbildung zum Verpackungsmittelmechaniker (heute: Packmitteltechnologe). Nach der Meisterschule und verschiedenen anderen Positionen im Betrieb ist Dürr seit acht Jahren Werkleiter.

Viele altgediente Fachkräfte

Und so weiß er aus eigener Erfahrung: „Wer sich engagiert, mitzieht und mitgestaltet, dem stehen bei uns alle Türen offen.“ In den Leitlinien der Gruppe stehe „‚Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter‘ – und dieser Gedanke wird hier wirklich gelebt“.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit im Werk liegt bei mehr als 16 Jahren: „Wer einmal hier ist, bleibt“, meint Dürr und erzählt von ganzen Familien, die im Werk arbeiten. „Auch das schweißt zusammen.“

Aktuell absolvieren elf junge Menschen ihre Ausbildung im Werner Klingele-Werk. Chris Gerl wird Packmitteltechnologe. „Klingele kenne ich von klein auf“, sagt er, „mein Vater hat hier gelernt und ist heute Abteilungsleiter an der Wellpappenanlage.“ Nach der Abschlussprüfung will der 20-Jährige sich auf jeden Fall weiterbilden: „Ich bin offen für alles.“

Die Maschinen seien ja letztlich in jedem Betrieb ähnlich, meint Werkleiter Dürr. „Und mit Flexibilität und Service macht man Punkte. Aber ein wesentlicher Vorteil sind motivierte, zufriedene Mitarbeiter.“


Ordnung? Muss sein!

Foto: Scheffler
Foto: Scheffler

Marius Flashove sieht es mit einem Blick: Hier fehlt noch ein Werkzeug – das muss vor Feierabend noch zurück an seinen Platz. Flashove ist im dritten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker Instandhaltung. Und in der Ausbildungswerkstatt, die im Klingele-Werk Werne zur Instandhaltung gehört, lernt jeder vom ersten Tag an: Ordnung muss sein.

Im ganzen Betrieb, in jeder Abteilung, hat alles nach festen Regeln seinen Platz – ob es nun um Büromaterial in den Schubladen unter dem Schreibtisch geht oder um Werkzeuge, mit denen Maschinen eingerichtet werden. Strenge Ordnung ist eine Basis der extrem schlanken Produktion („Lean Production“), der sich die gesamte Klingele-Gruppe verschrieben hat. Wer Ordnung hält, spart eben wertvolle Zeit, die sonst bei der Suche nach dem richtigen Werkzeug verloren gehen kann.

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