Standort

Kleine Kapsel bringt den Durchblick


SE entwickelt die kompliziertesten Leiterplatten

Wetter. Konzentriert  schaut Liza Schneider durch die Lupe. Mithilfe eines automatischen Inspektionsgerätes sucht sie Fehler auf Leiterplatten, die mit bloßem Auge nie zu erkennen wären. Denn die hochwertigen und komplexen Produkte von Schoeller-Electronics (SE) müssen absolut perfekt sein. 

Eine Reise durch den Körper

Das Unternehmen im hessischen Wetter ist weltweiter Technologieführer bei Starrflex- und Hochfrequenz-Leiterplatten. Die flexiblen Teile kommen in der Medizintechnik, der Luftfahrt, in der Industrie-Automation und der Telekommunikation zum Einsatz. Sie lassen sich in alle Richtungen formen, um kleinste Zwischenräume auszunutzen. Knicke um die Ecke oder mehrere Schichten übereinander sind kein Problem.

Wofür man das braucht? Ein Paradebeispiel ist die Pillcam, eine verschluckbare Kamera in der Größe einer Vitamintablette. Wie ein U-Boot gleitet sie durch das Verdauungssystem und filmt die Innenseite. Ihre Signale empfängt ein Rekorder. Eine Alternative zu Magen- und Darmspiegelungen.

SE entwickelte die winzige Leiterplatte im Innern der Kapsel für einen ausländischen Kunden. „Ein einziger, nicht erkannter Fehler könnte später zum Ausfall eines teuren Endproduktes führen. Das kann sich niemand leisten“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Winkelmann.

Der ehemalige Werkleiter gründete mit Unterstützung des Finanzdienstleisters Nord Holding 2008 SE als Management Buy Out. Ursprünglich gehörte das Unternehmen zur Ruwel-Gruppe, die sich mehr auf Standardprogramme konzentrierte.

Lief anfangs noch alles nach Plan, bereiteten der hohe Wettbewerbsdruck vor allem von asiatischen Unternehmen in Kombination mit der Krise 2009 große Probleme. Stellen mussten abgebaut werden. Es folgte die konsequente Ausrichtung auf Hightech-Produkte.

„Alle glauben an den Standort“

Die Sanierung gelang. Lag der Umsatz 2009 bei 28 Millionen Euro, kletterte er im vergangenen Jahr auf 33 Millionen Euro. 17 ehemalige Mitarbeiter wurden wieder eingestellt. Für 2010 bekamen alle 265 Beschäftigten sogar eine Extraprämie.

Produktionsmitarbeiter Jürgen Walti: „Man merkt an allen Ecken, dass es uns wieder besser geht. Die Stimmung ist gut, denn es wird investiert und modernisiert. Das ist das beste Zeichen dafür, dass alle fest an die Zukunft des Standorts glauben.“

Schließlich gehört man zu denen, die Trends setzen. „Die rasante Entwicklung in der Elektronik wurde erst durch bahnbrechende Entwicklungen unserer Branche möglich, egal ob Computertomograf oder Handy“, erklären Winkelmann und Wolfgang Weinhold, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung.

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