Luftfahrt-Industrie

Kleine Fasern für große Vögel


Wie Zulieferer GKN den Flugzeugbau modernisieren will

München. Millionen Hausfrauen machen jeden Tag das, was Ralf Kohlen und sein Team anstreben: Sie benutzen ihre Mikrowelle. „Durch deren Einsatz würden bei uns 90 Prozent der Energiekosten gespart“, prognostiziert der Technologie- und Entwicklungsleiter des Münchner Werks von GKN Aerospace. „Es wäre der Durchbruch, eine kleine Revolution.“

Dünner als ein menschliches Haar

Wenn alles nach Plan läuft, steht in der Produktionshalle des Luftfahrt-Zulieferers GKN ab Mitte des Jahres eine Mikrowelle – natürlich um ein Vielfaches größer und moderner als ihr Pendant in der Küche. In dem Gerät sollen meterlange Flugzeugbauteile aus Faserverbundwerkstoff ausgehärtet werden. „In der Branche wird diese Technik kommerziell noch nicht genutzt“, sagt Kohlen.

340 Mitarbeiter entwickeln und produzieren im Münchner Werk vor allem Landeklappen und Seitenleitwerk­teile. Sie bestehen aus Harz und Kohlenstoff-Fasern, die viel dünner sind als ein menschliches Haar.

 

Bislang werden die Flugzeugkomponenten in riesigen Öfen gehärtet, den „Autoklaven“. Acht bis zwölf Stunden dauert das. Danach sind die Kunststoff-Bauteile genauso belastbar wie vergleichbare Strukturen aus Aluminium – aber etwa 15 Prozent leichter. Weniger Gewicht ist es, was in der Luftfahrtindustrie am meisten zählt. Und sich auszahlt. Abgespeckte Kilos senken den Kerosinverbrauch.

Etwa 30 Jahre ist es her, dass Linienjets zum ersten Mal mit ein paar Kunststoff-Bauteilen abhoben. Bei der künftigen Generation wie dem „Dreamliner“ von Boeing oder dem A350 von Airbus wird bereits die Hälfte der Flugzeuge aus diesen Strukturen bestehen.

„In der Forschung führend bleiben“

GKN Aerospace beliefert beide Rivalen. Der britische Konzern beschäftigt weltweit 40.000 Mitar­beiter, die außer für die Luftfahrt auch für die Auto-Industrie pro­duzieren. Zum Kundenstamm des Werkes in München gehört neben Eurocopter, EADS Astrium und Saab Aerospace vor allem Airbus. Der europäische Flugzeugbauer sorgt für den Löwenanteil am Umsatz.

Grund ist die Historie des Werks: Es wurde 1935 von Dornier gegründet und gehörte von 1985 bis 1995 zu Airbus. GKN übernahm den Standort 1998.

„Es gibt in der Luftfahrtindus­trie die klare Tendenz, immer mehr Aufgaben an Zulieferer auszulagern, auch Forschung und Entwicklung“, sagt Kohlen. Seit 2003 arbeitet er mit seinen Teams eigenständig an der Verbesserung von Bauteilen und Fertigungsprozessen. „Immer mehr Firmen tummeln sich am Markt“, beobachtet er. „Die neuen Wettbewerber aus Fernost und Osteuropa holen technologisch langsam auf.“

Die Marktanteile könne man nur sichern, wenn man in der Forschung führend bleibe, meint Kohlen. Zum Beispiel mit Hilfe der Mikrowelle. „Im Vergleich zur Metallverarbeitung befinden wir uns mit Faserverbundstoffen noch in der Pionierzeit.“

Michael Stark

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang