Mittelstand

Klein, aber in aller Welt gefragt


Die Beluk GmbH: Eine 60-Mann-Firma liefert in 28 Länder

Schongau. Weltweit Geschäfte machen: Das wird immer wichtiger für deutsche Unternehmen – um Wachstum zu ermöglichen und so Jobs zu sichern. Wie es auch für einen kleinen Mittelständler gut laufen kann, zeigt das Beispiel der Beluk GmbH.

Über lokale Händler ist die nur 60 Mitarbeiter zählende Firma mittlerweile weltweit in 28 Ländern vertreten. Gut verdient wird vor allem in wachstumsstarken Regionen wie Indien. Geschäftsführer Ernst Weindl berichtet: „Dort haben wir vergangenes Jahr um 40 Prozent zugelegt.“

Stromnetze besser auslasten

Den Vorsprung vor der Konkurrenz sichert sich Beluk durch die stetige Entwicklung neuer Produkte. Die Firma fertigt Schaltanlagen für die Energieversorgung und sogenannte Blindleistungsregler. Sie sorgen dafür, dass Stromnetze besser ausgelastet werden können.

„Ein Viertel unseres Geschäfts bei den Reglern machen wir mit Produkten, die erst seit ein bis zwei Jahren auf dem Markt sind“, erläutert Weindl. Also hat er die Mannschaft der Entwickler deutlich aufgestockt. Jetzt tüfteln in der Abteilung  sechs  statt  bisher  drei  Leute an neuen Produkten.

„Unsere Erfahrung auf dem Spezialgebiet der Blindleistungsregler reicht zurück bis ins Jahr 1956“, erzählt Michael Reith, Leiter Reglerbau. Eine „Pionierleistung“ sei diese Erfindung damals gewesen. Sie trägt den Betrieb noch heute, auch wenn  mechanische Bauteile längst von digitalen Mikroprozessoren abgelöst wurden.

Ihren Stammsitz hat die Beluk GmbH im oberbayerischen Schongau. Dort ist in den Werkhallen bei der Fertigung von Schaltanlagen noch viel Handarbeit und Muskelkraft angesagt.  Sogar eine eigene Schlosserei gibt es im Werk. 

„Wir leben davon, dass wir kurzfristig für den Kunden etwas erledigen“, schildert Georg Lipp, Werkleiter Schaltanlagenbau. Daher müssen wir in der Lage sein, relativ schnell zu liefern.“  Das geht nur, wenn im Betrieb auch Sonderaufträge zügig bearbeitet werden können.

Üblicherweise dauert es vier bis sechs Wochen, bis so eine Schaltanlage fertig montiert ist. Lipp: „Unsere Stärke ist, dass wir bei Anlagen auch Extrawünsche berücksichtigen und nicht Produkte von der Stange bieten.“

Fertigung verlagern bringt keine Vorteile

Das Geschäft bei der Beluk GmbH läuft gut. 2007 hat die  Firma rund 9 Millionen Euro Umsatz erzielt. Also denkt hier auch niemand über eine Verlagerung von Teilen der Fertigung ins kostengünstigere Ausland nach.

„Wozu auch, das brächte uns keine Vorteile“, meint Beluk-Chef Weindl. Er setzt darauf, dass alles in einer Hand und im Betrieb bleibt. Er scherzt: „Vor zehn Jahren war diese Einstellung völlig antiquiert. Aber heute liegt das wieder stark im Trend.“

Denn: Lieferengpässe und hohe Transportkosten lassen sich so vermeiden. Auch gleichbleibend hohe Qualität und deren Kontrolle sei mit eigenen Mitarbeitern viel einfacher.

Zeitnahe Produktion: Das geht am besten mit flexiblen Arbeitszeiten.  Weindl ist froh, dass es hier im Betrieb „praktische Lösungen“ gibt. Bei Beluk erlauben Zeitkonten in Phasen schwacher Auslastung – etwa im Winter – mehr Freizeit für die  Belegschaft. Dafür wird den Rest des Jahres rangeklotzt. Wenn es nötig ist, auch am Wochenende.

Bis zu 300 Überstunden kann jeder Beschäftigte ansammeln und bei Gelegenheit wieder abbauen. Weindl: „Früher mussten wir Kurzarbeit anmelden, wenn wenig Arbeit da war.“

Michaela Geiger

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