Rasante Leistung

Klebstoffe halten Achterbahnen und Handys zusammen

Haßloch. Wenn die Achterbahn „Sky Scream“ im Holiday Park in 1,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer beschleunigt, kreischen die Fahrgäste. Die 8 Millionen Euro teure neue Katapult-Achterbahn war das Highlight der Saison in Haßloch. Gut, dass der Rollercoaster hält – dank Klebstoff!

Ein Beispiel: Der Zug der Katapult-Achterbahn schießt wie eine Kugel aus der Pistole die Strecke hinauf. Möglich machen den rasanten Start Linearmotoren – Klebstoffe halten sie zusammen. Doch nicht nur im Freizeitpark: Die haftstarke Substanz ist als Fügetechnik nicht mehr wegzudenken. Windeln, Zahnkronen, Knochengelenke, Handys und sogar Autos, Flugzeuge oder die Trägerrakete Ariane – alles geklebt.

Längst gilt Kleben als Schlüsseltechnologie, denn die Ansprüche an moderne Produkte und Bauteile steigen: „Kleiner, leichter, schneller, ökologisch verträglich, preiswert und mit immer mehr Gebrauchseigenschaften sollten sie sein“, erklärt Professor Andreas Groß, Leiter Weiterbildung und Technologietransfer bei der Fraunhofer IFAM in Bremen. „Das bekommt man nur durch die ideale Kombination unterschiedlichster Werkstoffe hin.“

Das Zauberwort heißt Kleben, wenn man Holz, Glas, Keramiken, Kunststoffe und Metalle in ihren unzähligen Legierungen verbinden möchte. Der neueste Hit: Im Forschungszentrum von 3M in Neuss hat Adrian Jung einen „Ampelkleber“ entwickelt. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Auftrag wechselt die Farbe des Klebers mithilfe eines Farb-Indikators von Rot über Gelb nach Grün.

„Die Farbe zeigt den Aushärtungsverlauf an“, sagt der Chemiker. Ist das Haltbarkeitsdatum des Klebstoffs überschritten, verfärbt er sich blau.

Produziert werden in Deutschland jährlich mehr als 1,4 Millionen Tonnen Kleb- und Dichtstoffe sowie eine Milliarde Quadratmeter Klebefolien und Klebebänder im Wert von 3,4 Milliarden Euro, so der Industrieverband Klebstoffe. Gut ein Drittel davon wird exportiert. Noch besteht der größte Teil der Klebstoff-Komponenten aus Erdöl. Doch es setzen sich immer mehr Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen durch – wie zum Beispiel Klebstifte auf Stärkebasis.

Auch für Mediziner ist die Entwicklung sehr interessant: Chirurgen am Universitäts-Herzzentrum Freiburg in Bad Krozingen testen bereits lichtaktivierten Bio-Sekundenkleber aus Proteinen für OPs an Kinderherzen.


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Bei Klebstoff denken viele an Basteln. Doch ist die Fügetechnik zur Schlüsseltechnologie geworden: Heute halten Klebstoffe vieles zusammen, wo früher etwa geschraubt oder genäht wurde. Erstaunliche Beispiele sehen Sie hier.

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