Starke Leistung

Klebstoffe halten Achterbahnen und Fenster zusammen

Haßloch. Wenn die Achterbahn „Sky Scream“ im Holiday Park in 1,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt, kreischen die Fahrgäste vor Begeisterung. Die 8 Millionen Euro teure neue Katapult-Achterbahn war in Haßloch das Highlight der Saison. Gut, dass sie hält – dank Klebstoff! Der fixiert zum Beispiel die kräftigen Linearmotoren.

Doch nicht nur im Freizeitpark: Die haftstarke Substanz ist als Fügetechnik nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Schuhe, Verpackungen, Windeln, Möbel, Böden, Pflaster, Zahnkronen, Handys, Flugzeuge – alles ist heute geklebt. Ein Auto enthält im Schnitt 18 Kilogramm Klebstoff. „Etwa die Hälfte der in Deutschland produzierten Waren steht mit Kleb- und Dichtstoffen in Verbindung“, sagt Ansgar van Halteren, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe. Tendenz steigend.

Deutsche Unternehmen gelten international als Technologieführer. Eine Vielzahl an Klebstoffen fertigt zum Beispiel Türmerleim aus Ludwigshafen, unter anderem für Etiketten, Holz, Zigaretten, Tüten – und sogar Toilettenpapier.

Das Unternehmen ist Spezialist für die nötigen Lagenleime. Die Haftung der Lagen wird dabei durch die Verklebung der Klopapier-Prägung erreicht. Der Film ist nur hundertstel Millimeter dünn! Mittels Klebstoff werden auch Pappbahnen zu Hülsen gewickelt sowie Erst- und Endblatt fixiert. Gleiches gilt übrigens für die Herstellung von Küchenrollen.

Die Baubranche setzt ebenso auf Klebstoffe: Produkte der Kömmerling Chemische Fabrik in Pirmasens fixieren etwa Isolierglasscheiben in Fensterrahmen. Dank Klebstoff kann man auf Verstärkungen aus Stahl verzichten. Und: „Spezielle Dichtstoffe aus Butyl und Polysulfid sorgen erst für eine gute Isolationswirkung des Glases“, erklärt Produktmanager Knut Göke. Sie verhindern, dass Wasserdampf eindringt und die Scheibe womöglich anläuft. Rund 1.800 Produkte führt das Unternehmen: Sie stecken auch in Fotovoltaik-Modulen, Jachten, Autos und Lastwagen.

Insgesamt produzierten deutsche Betriebe 2013 rund 1,4 Millionen Tonnen Kleb- und Dichtstoffe. Das ist Rekord, so der Industrieverband. Hinzu kam fast eine Milliarde Quadratmeter Klebefolien und Klebebänder. Gut ein Drittel der Menge wird exportiert.

Noch basieren viele Klebstoffkomponenten auf Erdöl. Doch solche auf Basis nachwachsender Rohstoffe setzen sich langsam durch. So gibt es heute Klebstifte aus Stärke. Auch für Ärzte ist die Entwicklung interessant: Chirurgen testen Protein-Sekundenkleber für OPs an Kinderherzen.


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Bei Klebstoff denken viele an Basteln. Doch ist die Fügetechnik zur Schlüsseltechnologie geworden: Heute halten Klebstoffe vieles zusammen, wo früher etwa geschraubt oder genäht wurde. Erstaunliche Beispiele sehen Sie hier.

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