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Klebstoffe für Kreuzfahrtschiffe


Die Kömmerling Chemische Fabrik liefert Kleb- und Dichtstoffe in alle Welt

Pirmasens. Hans Gärtner greift beherzt nach Eimern und Beuteln und kippt ihren Inhalt in die große Mischanlage. Die vermengten Zutaten ergeben später einen grauen Klebstoff. Nur wenige Meter weiter presst eine Maschine die Masse im Sekundentakt in Fässer und Kartuschen.

Gärtner ist Maschinenführer bei Kömmerling Chemische Fabrik. Das Unternehmen beschäftigt in Pirmasens rund 320 Mitarbeiter und liefert von dort Kleb- und Dichtstoffe an Industriekunden in die ganze Welt. Bis zu 50.000 Tonnen verlassen im Jahr das Werk. Sie landen später unter anderem in der Glas-, Bau- und Transportindustrie.

Klebstoffe halten fast alles zusammen, seien es Fensterscheiben, Jachten oder Kreuzfahrtschiffe, Wohn- oder Lastwagen. „In einem Kühltransporter werden allein im Auflieger mehr als 200 Kilogramm davon verarbeitet“, berichtet Produktmanager Knut Göke. Die Stoffe befestigen Wände, Böden, die Schutzleisten und Eckverbindungen. Im Fahrerhaus kommen sie an Türen, Armaturen und Textilverkleidungen zum Einsatz.

Klebstoffe härten in Stunden oder Sekunden

Entwickler Axel Müller prüft im Labor Rezepturen und Rohstoffe. Er streicht eine Probe auf ein Stück Holz und verteilt die Masse mit ruhiger Hand. Solche Platten werden in Lkws verbaut.

„Wir können beispielweise einstellen, ob der Klebstoff in Sekunden oder erst nach mehreren Stunden aushärtet“, erklärt Müller. Je nach gewünschter Eigenschaft kombiniert er die Komponenten. Die Liste der Möglichkeiten ist lang: Rund 1.600 Produkte führt das Chemie-Unternehmen insgesamt.

Fachmann Göke weiß: „Härtet der Kleber schnell aus, steigert das die Produktivität.“ Dank dieses Know-hows kann die Branche heute etwa zehnmal so viele Transport-Auflieger am Tag fertigen als früher.

Bei den Kleb- und Dichtstoffen handelt es sich um wahre Hightech-Produkte. Egal, ob sie im Straßenverkehr oder auf dem Meer zum Einsatz kommen: Sie müssen über Jahre hinweg Wind und Wetter, Salzwasser und Temperaturschwankungen sowie starken Vibrationen, Stößen und anderen zerrenden Kräften trotzen. Das können je nach Klebfläche mehrere Tonnen sein. Wieso das geht? Die Klebstoffe bestehen aus zwei Bausteinen und sind chemisch reaktiv.

Die Basis bilden synthetische Kunststoffe (Polymere) wie zum Beispiel Polyurethane. Deren Bestandteile vernetzen zu mehrdimensionalen Molekülketten. Das macht sie besonders widerstandsfähig.

Zusätze verhindern Alterung und UV-Schäden

„Erst wenn Polymer und Härter aufeinandertreffen reagieren sie, und der Stoff klebt“, so Chemiker Göke. Füllstoffe bestimmen die Festigkeit der Masse. Weitere Zusätze verhindern unter anderem die Alterung des Stoffs und schützen vor UV-Strahlen.

Klebstoffe sind Schrauben und Nieten überlegen, sagt Göke. Sie dämmen Lärm, sparen Gewicht und schützen vor Korrosion. Kräfte wirken auf geschraubte Teile punktuell – das zerrt am Material. „Klebstoffe hingegen verteilen die Last gleichmäßig“, sagt der Fachmann. Das verhindert Risse und Brüche.

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Schlagwörter: Export Chemie

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