Ein Job mit Zukunft

Klebstoff-Produzent Stauf bildet Chemikanten aus

Wilnsdorf. Kasimir Fähndrich, angehender Chemikant beim Klebstoff-Produzenten Stauf, ist im Siegerland fast ein Exot: Sein Herz schlägt für die Chemie, während sich seine Klassenkameraden für die Metall- oder die Holz-Industrie entschieden haben.

Nur wenige Firmen bieten die Ausbildung in der Region an, eine davon ist der Klebstoff-Produzent Stauf. Der Familienbetrieb (70 Mitarbeiter) bildet jährlich zwei Chemikanten aus. Firmenchef Volker Stauf führt regelmäßig Lehrer durch sein Unternehmen, damit sie Schülern vom Chemie-Alltag berichten: „Es ist ein aufwendiger Weg, um Nachwuchs zu gewinnen, aber es lohnt sich.“

Um den Beruf zu lernen, nimmt Fähndrich einiges auf sich. Für die Berufsschule muss er bis nach Frankfurt fahren. Um 5 Uhr in der Früh macht er sich auf den Weg. Eine Überwindung? „Es geht, man kann auch im Zug schlafen“, winkt Fähndrich ab. Praktische Module, die seine Firma vor Ort nicht bieten kann, absolviert er ebenfalls in Frankfurt bei einer Ausbildungsfirma im Industriepark Höchst.

Doch in Wilnsdorf lernen die angehenden Chemikanten dafür Dinge, die es kaum in einem Großkonzern gibt. Etwa einen Kugelhahn abbauen oder das Wärmetauscher-Rohr auseinanderschrauben – sonst eher ein Job für den Schlosser. Hier sorgen alle dafür, dass die vollautomatischen Anlagen reibungslos rund um die Uhr laufen.

„Bald nach dem Ausbildungsstart wurde ich gefragt, ob ich mir zutraue, etwas allein zu machen“, berichtet Chemikant John Haas. Er zeigt auf mannshohe Behälter mit Roh- und Füllstoffen, in denen Tag und Nacht Klebstoffe für Bodenbeläge zusammengerührt werden. Haas durfte Katalysator-Lösungen selbstständig herstellen. Ihm gefiel die frühe Verantwortung so gut, dass er weiter lernt. Seit März bildet er sich nebenberuflich zum Industriemeister weiter und pendelt an den Wochenenden zur Meisterschule nach Darmstadt.

Die Firma zahlt die Kosten, sie braucht in der Produktion einen zweiten Meister: Im letzten Jahrzehnt hat sich die Belegschaft fast verdoppelt. Grund ist die hohe Nachfrage nach neuen Produkten wie zum Beispiel ein froschgrüner Klebstoff für Kunstrasen.

Auch der Teamgeist ist überall spürbar: Wenn ab Mai die Hochsaison für das Outdoor-Geschäft startet, herrscht auch samstags voller Betrieb. Und das ohne Zeitarbeiter: „Auf unsere Leute können wir zählen“, so Firmenchef Stauf. „Die kommen auch am Wochenende.“


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