Offensive gegen den Trend

KKT Frölich wirbt effektiv um Azubis – und bekam dafür sogar einen Pokal


Osterode am Harz. Mikrowelle und Geschirrspüler konnten ihnen nichts anhaben, nicht mal rohe Gewalt: Knallbunte Kaffeetassen aus Silikon hat Dominik Wahle (22) im August dieses Jahres auf der IdeenExpo gepresst und an die Besucher verschenkt.

An seinem echten Arbeitsplatz werden sie nicht produziert. „Es ging ja darum“, sagt er, „dass ich gemeinsam mit anderen Azubis Jugendlichen die Berufe unserer Branche nahebringe.“ Das Technik-Spektakel auf dem Messegelände in Hannover ist ein Schauplatz von vielen, auf denen KKT Frölich um Nachwuchskräfte wirbt.

In den ersten 18 Monaten ihrer Ausbildung durchlaufen die angehenden Verfahrensmechaniker einen betrieblichen Ausbildungsplan – danach werden sie vermehrt in der Produktion eingesetzt, Azubi Wahle etwa an einer Spritzguss-Maschine für Silikon-Manschetten. So erfahren sie neben Lehrinhalten Anerkennung von gestandenen Kollegen.

Der betriebliche Ausbildungsplan kombiniert die Inhalte des IHK-Rahmenplans mit den betrieblichen Anforderungen. Die Azubis erhalten etwa in der Instandhaltung eine Grundbildung in Metallverarbeitung und Elektrotechnik. Im Labor erlernen sie die Materialprüfverfahren, in der Qualitätstechnik die Qualitätsanforderungen. Und in den Schwesterunternehmen Elastica (Compoundierung) und Norsystec (Thermoplastverarbeitung) lernen sie weitere Verarbeitungsverfahren kennen.

Der Hersteller für Kautschuk- und Silikonspritzgussteile in Osterode am Harz unterhält Kooperationen mit unterschiedlichen Schulen, erklärt Andreas Hahn, Ausbildungsleiter für Verfahrensmechaniker Fachrichtung Kunststoff- und Kautschuktechnik. Und mit der Produktionsanlage für Silikon-Kaffeetassen stellt man sich auf der „Bito“, einer lokalen Ausbildungsmesse der örtlichen Arbeitsagentur, regelmäßig Schülern vor. „Neugierige Fragen zur Fertigung wecken automatisch das Interesse für den dazugehörigen Beruf“, erklärt Hahn das Konzept.

Demografie-Problem wird angepackt

Die Info-Offensive von KKT Frölich zeigt Wirkung. „Wir haben keinen Mangel an Bewerbern“, sagt Hahn. Und: „Dem Mangel an Fachkräften versuchen wir mit großem und intensivem Aufwand für eine kompetente Ausbildung entgegenzuwirken.“ Trotz des demografischen Trends, der sich auch in dieser Region zeigt, blicke man optimistisch in die Zukunft. In Osterode kommen 35 Azubis auf 200 Mitarbeiter, die Quote liegt damit weit über dem Branchenschnitt. In acht Berufen bildet man aus. Und der Altersdurchschnitt der Belegschaft sinkt! Er liegt derzeit knapp über 40 Jahren.

Mit der Jugendförderung erregt das Unternehmen auch politisch Aufmerksamkeit. Die CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union im Landkreis zeichnete es mit dem „Ausbildungspokal“ aus. Es sei vorbildlich und zeige „Pers­pektiven hier in unserer Region auf“, so Junge-Union-Chef Roman Schmitz.

Die Mehrzahl der Azubis wird bei KKT Frölich nach der Lehre übernommen. Wer das Unternehmen verlässt, tut das in aller Regel freiwillig – meist, um sich weiterzubilden. Einige der ehemaligen Auszubildenden setzen ihren beruflichen Werdegang auch in anderen Kunststoff verarbeitenden Unternehmen fort.

Firmen-Steckbrief

Foto: Albert
Foto: Albert

KKT-Gruppe

  • Die Atemschutzmaske für Rettungsdienste (Foto) ist nur eines von unzähligen Produkten des Herstellers von Elastomeren, Kautschuk- und Silikonspritzgussteilen.
  • Das Unternehmen beliefert unter anderem die Auto-Industrie, die Medizin- und Sicherheitstechnik sowie die Elektro-Industrie.
  • Die KKT-Gruppe beschäftigt europaweit 500 Mitarbeiter. 

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