Getränke-Industrie

Kinder-Kult auf allen Kontinenten


Guter Geschmack - manchmal kommt es allein darauf an. Aber wer hat den? Zum Beispiel Katrin Arnold

Eppelheim. Um ganz sicher zu gehen, benutzt sie ausschließlich den Strohhalm. „Der Saft schmeckt dann einfach anders, als wenn man ihn aus dem Becher trinken würde“, sagt Kat­rin Arnold (36). „Und die Kinder trinken das ja auch so.“

Was dann ihr Gaumen empfindet, steuert Fabriken in 17 Ländern der Erde. Die Frau ist Produkt-Entwicklerin bei den Deutschen SiSi-Werken in Eppelheim bei Heidelberg – und zuständig für „Capri-Sonne“. Die bunten Getränke-Tütchen verkaufen sich mittlerweile in 100 Ländern der Erde: insgesamt 5,5 Milliarden Stück im Jahr, mit Jahr für Jahr zweistelligen Wachstumsraten. Sie bringen nach Firmenangaben 1,4 Milliarden Euro Außenumsatz.

Seit anderthalb Jahrzehnten ist Katrin Arnold Miss Capri-Sonne. Dort in der Zentrale entwickelt sie die richtigen Mischungen. In ihrem Labor stehen diverse Capri-Sonnen herum – mit Aufschriften in verschiedenen Sprachen, nicht nur mit lateinischen Buchstaben, auch mit arabischen, chinesischen oder kyrillischen.

Renner in Asien, Flop in Deutschland

Darauf abgebildet: Früchte, Früchte, Früchte – heimische, exotische, einzeln oder kombiniert mit anderen. Sie kennt die Geschmäcker in aller Herren Länder, von Antigua bis Zypern. Sie kann sagen, welchen Getränke-Typ die Nigerianer lieben, und welchen dort keiner anrühren würde. Sie weiß, worauf die Deutschen stehen, und welche Sorten sich hier wiederum niemals verkaufen würden.

„In Asien“, erzählt sie, „mögen die Kinder am liebsten die Traube. Und in Großbritannien die Schwarze Johannisbeere.“ Aber diese beiden Sorten, setzt sie hinzu, „würden in Deutschland floppen“.

Bei uns halten sich seit Jahren auf den ersten Plätzen der Beliebtheitsskala: Orange, Kirsche und Multivitamin. „Allein diese drei Sorten machen 70 Prozent des Umsatzes aus“, berichtet Julia Savas-Butz, Marketing-Managerin bei Capri-Sonne.

Von der Idee einer neuen Sorte bis zum fertigen Produkt vergeht oft fast ein Jahr. Zwischen 30 und 40 neue Kre-ationen befinden sich ständig in der Testphase.

Prototyp im Stresstest

Als ersten Schritt für einen solchen Probelauf verfasst Arnold eine Rezeptur für den Grundstoff: eine dickflüssige Mischung aus Fruchtsaftkonzentraten und natürlichen Aromen. Im Produktionsprozess fügt sie später Wasser und Zucker hinzu – so entsteht das fertige Getränk.

Wenn der Prototyp fertig ist, muss er sich einem sogenannten Stresstest unterziehen. Erst, wenn er zwei Wochen lang bei 40 Grad Celsius Geschmack und Vitamine behält, geht er in die Marktforschung.

Und erst dann dürfen die Kinder ran, als ultimative Produkt-Tester. „Denen muss es ja schmecken, ganz klar“, sagt Arnold.

Tina Schilp

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