Etiketten zum Umblättern

Kilian Druck bringt seitenweise Informationen direkt auf die Verpackung

Grünstadt. Wie ärgerlich: Der Beipackzettel des Düngemittels, das jetzt den vom Winter gebeutelten Rasen wieder fit machen soll, ist einfach nicht mehr aufzufinden. Die wichtigen Hinweise für die Anwendung – futsch!

Mit Etiketten zum Beispiel von Kilian Druck wäre das nicht passiert. Denn die Spezialisten aus Grünstadt (Rheinland-Pfalz) entwickeln und produzieren Mini-Bücher, sogenannte Booklets. Das Besondere: Sie kleben direkt auf Kanistern, Dosen und anderen Verpackungen – und können trotzdem bequem durchgeblättert werden.

Preisgekrönte Innovation

Wie anspruchsvoll die Produktion ist, erfährt, wer Eugen Bechthold über die Schulter sieht. Der gelernte Buchbinder ist einer von rund 120 Mitarbeitern der Kilian-Gruppe – und er hat in der Druckweiterverarbeitung gut zu tun. „Es gibt nichts, was wir hier noch nicht hinbekommen haben“, sagt er zufrieden.

Auf genau diese Einstellung kommt es an, so Geschäftsführerin Silke Krajewski: „Geht nicht? Gibt’s nicht! Wir haben es geschafft, diesen Gedanken in die Belegschaft hineinzutragen.“ Die Juniorchefin ist im Betrieb groß geworden – der sich seit der Gründung durch ihren Großvater Erwin Dinges stark verändert hat.

Der gründet 1964 im elterlichen Café an der Sankt-Kilian-Straße –daher der Firmenname! – eine kleine Druckerei. Zieht später mit dem Betrieb in ein Gewerbegebiet um. Sohn Klaus, Druckermeister und Grafikdesigner, ruft eine Event-Agentur ins Leben. Er ahnt, dass der Bedarf an klassischen Drucksachen zurückgehen wird – Verpackungen aber, so Klaus Dinges’ Kalkül, werden immer gebraucht.

1990 gründet der Junior daher eine Druckerei für Rollenetiketten, investiert in eine Halle und neue Maschinen – und integriert ein Jahr später die Firma des Vaters. Dabei hilft der große Erfolg eines Produkts für Chemie-Multi Bayer: Kilian entwickelt ein Mehrfach-Nassleim-Etikett.

„Die Leverkusener brauchten direkt am Produkt mehr Platz für die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Texte. Und europaweit sollte überall das gleiche Etikett eingesetzt werden“, erinnert sich Dinges. Sein mehrlagiges „MultiLabel“ wird zum Vorläufer heutiger Booklet-Etiketten. Es wird mit wichtigen Preisen ausgezeichnet. Und entwickelt sich zu einem Renner – nicht nur in der Chemie-Industrie.

Auch eine Selbstklebetasche für einen Beileger, die sich in der Abfüllanlage maschinell aufkleben lässt, ist schon früh im Kilian-Angebot. Innovativ ist die Firma nach wie vor, um die 20 Neuentwicklungen pro Jahr werden hier ausgetüftelt. Und so setzen Unternehmen vieler Branchen auf Lösungen aus Grünstadt: von Kosmetik- und Lebensmittelherstellern bis zur Agrar- oder Auto-Industrie. Die Kunden werden intensiv beraten, wenn es ums Aufkleben unterschiedlicher Materialien auf ganz unterschiedliche Oberflächen während des Abfüllprozesses geht.

„Hybridmaschinen gehört die Zukunft“

Lieferbar sind Etiketten mit bis zu 32 ausklappbaren Seiten, auf denen zum Beispiel Anleitungen in mehreren Sprachen stehen. Aktuell angepeilt ist aber, die maximale Seitenzahl auf 40 zu erhöhen.

Kilian Druck fertigt zudem auch extrem fälschungssichere Etiketten oder biologisch abbaubare, ebenso wie etwa Label mit Sammelpunkten für Werbeaktionen. Sogar ein Chip zum Beispiel als Schutz gegen Diebstahl kann ins Etikett integriert werden. „Es geht immer um maßgeschneiderte Lösungen“, betont Silke Krajewski.

Recht neu im Betrieb ist eine Hybrid-Maschine, die nach eigenen Vorgaben gebaut wurde: Sie kombiniert eine Flexo- und eine digitale Druckmaschine mit Stanzwerk und ausgefeilter Kameraüberwachung. „Solchen Hybridmaschinen, die konventionell und digital drucken können, gehört die Zukunft“, meint Klaus Dinges.

Behält er recht, wird die Firma auch weiterhin kräftig wachsen. Allein 2015 wurden hier 15 neue Stellen geschaffen, weitere sind ausgeschrieben. Und aktuell wird wieder kräftig investiert, in ein neues Bürogebäude sowie in Maschinen und Anlagen.


Ein Wachstumsmarkt: Selbsthaftende Aufkleber

Foto: Scheffler
Foto: Scheffler
  • Ob ein Glasröhrchen mit einer Blutprobe oder eine Stoßstange auf dem Weg zur Autofabrik: Fast alles hat heute ein Etikett, um wichtige Informationen weiterzugeben. Dabei ist die Bandbreite an eingesetzten Materialien, Produktionsverfahren und Anwendungsgebieten extrem vielfältig.
  • Selbstklebende Etiketten gelten denn auch als Wachstumsmarkt, so der Fachverband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter mit Sitz in Höchberg (bei Würzburg). Solche Produkte liefern in Deutschland etwa 450 Betriebe mit fast 18.000 Beschäftigten, die einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften.

vske.de

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