Ausbildung

Keine zweite Chance für den ersten Eindruck


Arbeitgeber beklagen schlechte Bewerbungsschreiben

Hannover. Fotoshooting für Viktoria, Andrej, Florian und Bianca: Die Auszubildenden waren sofort bereit, Werbung für Berufe in der Kautschukindustrie zu machen. Auf der IdeenExpo in Hannover sind sie täglich dabei und berichten über ihren spannenden Alltag im Beruf.

Schlechter Stil verbaut Möglichkeiten

Trotz Krise gehen die Unternehmen auf Nachwuchssuche. Immerhin 85 Prozent der Betriebe haben eine eigene Berufsausbildung. Doch bei etlichen Bewerbern hapert es an der nötigen Qualifikation. Das hat eine Umfrage des Arbeitgeberverbandes ergeben.

Erstaunlich: Schon in den Bewerbungsschreiben zeigen sich große Mängel. Mehr als zwei Drittel der Betriebe berichten darüber, dass die Bewerbungen nicht nur rein äußerlich negativ sind, sondern auch mit Defiziten in Stil, Rechtschreibung und Grammatik. „Damit verbauen sich zwei von drei Bewerbern die Chance, positiv auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Kautschukindustrie. „Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“, betont der Kautschuk-Chef.

Die Zukunft ist düster: Die Auswahl der Bewerber nimmt in den nächsten Jahren weiter ab, weil immer weniger Schüler die Schulen verlassen.

Eltern sind stärker gefordert

Deshalb schlagen die Betriebe Alarm. „Wir können dieses Problem nicht allein den Schulen überlassen“, sagt Schmidt. „Die Eltern sind viel stärker gefordert.“

Die Untersuchung seines Verbandes hat ergeben, dass viele Firmen aufgrund der ersten Mängel (Loseblatt-Sammlungen, geknickte Seiten, Unterschrift oder Foto fehlen) viele Bewerbungsschreiben aussortieren. Jede zweite Bewerbung fällt damit durch.

Gefragt wurde auch nach der Ausbildungsreife der Bewerber. Zwei Drittel sagen, dass sie sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert habe. Viele sehen die Gründe bei der Disziplin und Belastbarkeit, bemängeln fehlende soziale Kontakte. Schmidt: „Bei Lesen, Schreiben und Rechnen registrieren wir leichte Verbesserungen. Aber nicht nur die Schulen müssen besser werden. Die Eltern müssen endlich wieder mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.“

Ausbildungsstart 2009

Umfrage in der deutschen Kautschukindustrie

85 Prozent der Betriebe bilden aus – das ist eine hohe Quote.

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) hat die Zahl der Ausbildungsplätze trotz Krise nicht verändert, 10 Prozent legten sogar noch zu. Ein Drittel konnte die hohe Zahl der Plätze im Vergleich zu 2008 nicht halten. Interessant: 9 Prozent mussten das Lehrstellen-Angebot absenken, weil die Auftragslage drastisch zurückgegangen ist.

36 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass die Ausbildungsplätze aufgrund mangelnder Qualifikation der Bewerber nicht besetzt werden konnten oder nur unterhalb der betrieblichen Anforderungen besetzt wurden.

Auf die Frage nach Mängeln bei den Bewerbungen antworteten  38 Prozent – ja, rein äußerlich, 67 Prozent – ja, mit Defiziten in Stil, Rechtschreibung und Grammatik.

40 Prozent der Bewerbungen sortieren die Betriebe aufgrund dieser Mängel aus. Mathe, Deutsch, Physik, Sprache und Stil – das sind die Disziplinen, in denen die Bewerber gravierende Qualifikationsdefizite haben.

Zwei Drittel der Betriebe beobachten, dass sich die Ausbildungsreife der Bewerber in den letzten fünf Jahren verschlechtert hat. Ein Drittel sprechen davon, sie habe sich nicht verändert. Kein Unternehmen hat einen verbesserten Ausbildungsstand beobachtet.

Elternhaus (81 Prozent) und Schule (76 Prozent) – das sind aus Sicht der Betriebe die am häufigsten genannten Ursachen (Mehrfachnennungen waren möglich).

In der Kautschukindustrie werden vor allem Realschüler und Hauptschüler eingestellt. Diese Antwort gaben 85 Prozent der Betriebe.

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Schlagwörter: Ausbildung

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