Interview

„Kein negativer Effekt“


Investoren aus dem Ausland – eine Gefahr für unsere Jobs?

Der spanische Konzern ACS will die deutsche Baufirma Hochtief übernehmen. Ist so etwas ein Grund zur Sorge? Wir fragten Professor Holger Görg, Spezialist für Außenwirtschaft am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

AKTIV: Wenn Ausländer deutsche Firmen schlucken –killt das unsere Arbeitsplätze?

Görg: Das wird immer wieder gerne diskutiert, in der Bevölkerung gibt es diese Annahme. Die empirischen Daten liefern aber überhaupt keine Anhaltspunkte dafür!

AKTIV: Woher wissen Sie das so genau?

Görg: Es gibt dazu eine Vielzahl von Studien. Ihre gemeinsame Erkenntnis: Übernahmen durch ausländische Firmen führen im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt nicht zu einem Abbau von Jobs, nicht zu einem Rückgang von Löhnen und auch nicht zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass die übernommene Firma schließt.

AKTIV: Sind unter diesen Studien auch welche mit Daten aus Deutschland?

Görg: Ja. Für Deutschland gilt unter dem Strich: keine messbaren Effekte. Keine positiven, aber eben auch keine negativen.

AKTIV: Wobei der Blick auf den Durchschnitt ja die nicht trösten kann, die nach dem Verkauf ihres Betriebes den Job verloren haben ...

Görg: Es gibt da natürlich bedauernswerte Einzelfälle. In der Masse gehen die aber unter.

AKTIV: Deutschland sollte sich also nicht abschotten?

Görg: Natürlich nicht. Investitionen sind gut – es ist generell egal, wo das Geld dafür herkommt. Die deutsche Wirtschaft ist außerdem ganz besonders auf Exporte und damit auf offene Märkte angewiesen. Übrigens: Die Direktinvestitionen deutscher Firmen im Ausland betrugen 2009 rund 63 Milliarden Dollar, während bei uns „nur“ 37 Milliarden Dollar aus dem Ausland investiert worden sind.

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