Textilindustrie

Kein alter Hut


Filze aus Soltau sind international gefragt

Soltau. Filz ist wieder in. Daneben liegt, wer da nur an Hüte oder Pantoffeln denkt. Längst werden zum Beispiel kuschelige Sofastoffe aus dem Traditionsmaterial hergestellt. Und die Soltauer Gebrüder Röders AG liefert genau das, was die Designer brauchen: leuchten-de Farben, einen angenehmen Griff und beste Qualität.

Doch Filz kann noch viel mehr als nur schön und kuschelig sein. Filzschläuche werden zur Sanierung kaputter Rohre eingesetzt, Filterfilze sorgen für saubere Luft. Und bei den sogenannten technischen Filzen sind die Einsatzmöglichkeiten praktisch unbegrenzt: Als Abstreiffilze in Tonertrommeln sorgen die starken Stoffe zum Beispiel für saubere Fotokopien, als Bremsfilze helfen sie bei der Blechherstellung, als ölgetränkte Filzblöcke schmieren sie Aufzugschienen. „Filz wirkt im Verborgenen“, sagt Röders-Vorstand Peter Bartolitius dazu. Die meisten seiner Kunden kommen aus der Industrie und verarbeiten die Filze in ihren Produkten weiter.

Standard von der Stange? Nein danke! „Wir fertigen fast ausschließlich auftragsbezogen“, erklärt Bartolitius. Ausdehnung bei Druck, Abriebfestigkeit, Stärke, Dichte: „Die Anforderungen sind bei jedem Kunden anders, genau das ist der Reiz an diesem Material“, findet der Röders-Chef.

Teurer Rohstoff

Weil praktisch jeder Kundenwunsch erfüllt werden kann, wird der Qualitätsfilz „Made in Soltau“ nicht nur in Deutschland geschätzt. Die Kunden kommen aus 38 Ländern, rund die Hälfte des Exports geht in EU-Staaten.

Filz wird nun nicht etwa aus Resten hergestellt, sondern aus hochwertiger Schafwolle. Sie kommt aus Australien, Neuseeland, Südamerika oder Südafrika.

Ein teures Vergnügen: Für Top-Qualitäten zahlt das Unternehmen im Einkauf bis zu 10 Euro pro Kilo. Und aus 1.000 Gramm Wolle gewinnt es dann nur etwa 750 Gramm Filz, der Rest ist „Krempelstaub“ ( Verschmutzungen und kurze Fasern, die bei der Verarbeitung abfallen).

Für den Umgang mit dem eigenwilligen Naturprodukt braucht man sehr viel Erfahrung. „Jede Charge ist anders und reagiert beispielsweise bei der Färbung unterschiedlich“, erklärt Bartolitius.

Färbemeister Dieter Wunderlich und sein Team sorgen aber dafür, dass der Filz aus Soltau am Ende trotzdem immer den richtigen Ton hat.

Auf dem Weg von der Wolle zum Filz ist immer wieder Handarbeit gefragt, die Produktion besteht aus vielen Schritten.

Belegschaft am Erfolg beteiligt

50 bis 60 Kilo Wollfilz pro Stunde produziert die Röders-Anlage, die schon seit den 1950er-Jahren in Betrieb ist. „Neuere Maschinen leisten auch nicht mehr, sonst hätten wir sie schon lange angeschafft“, betont der Chef des 1851 gegründeten Textilunternehmens.

Bei den synthetischen Rö-ders-Filzen sieht das ganz anders aus: Eine hochmoderne Anlage läuft fast vollautomatisch, mit einer Leistung von bis zu 1.000 Kilo Filz pro Stunde. Das Unternehmen investiert ständig in neue Maschinen, allein in den letzten drei Jahren rund 3 Millionen Euro.

Etwa 1400 Tonnen Nadel- und Wollfilz produzieren die 125 Röders-Mitarbeiter pro Jahr, das spült 16 bis 17 Millionen Euro Jahresumsatz in die Kasse. Je stärker Filz gefragt ist, desto mehr freut sich auch die Belegschaft: Über eine Erfolgsbeteiligung ist sie an den Gewinnen des Traditionshauses beteiligt. Und schon seit Opas Zeiten zahlt die Firma treuen Kräften eine attraktive Betriebsrente.

Silke Becker

 

Filzen – wie geht das?

S eit Jahrhunderten hat sich das Verfahren kaum geändert: Die Herstellung von Wollfilz hat eine lange Tradition. Die Arbeit beginnt in der „Wolferei“. Dort werden Verschmutzungen aus der Wolle entfernt und die gewünschte Mischung zusammengestellt.

In der „Krempelei“ wird die Wolle dann vollautomatisch zerpflückt und zu einer Art Watte verarbeitet, den sogenannten Pelzen. Die flauschigen Pelzbahnen werden in der eigentlichen „Filzerei“ zwischen Leintücher gelegt, mit heißem Wasserdampf befeuchtet und dann durch Druck und Bewegung verfilzt – das funktioniert im Prinzip wie bei einem Wollpulli, der zu heiß gewaschen wird.

In der „Walkerei“ wird dann die richtige Dicke und Dichte erzeugt. Schließlich werden die Filze je nach Kundenwunsch gefärbt und veredelt.

Nadelfilz wird dagegen aus synthetischen Fasern hergestellt, die mit traditionellen Methoden gar nicht verfilzen können. Deshalb werden die Pelze aus diesen Fasern so lange mit speziellen Nadeln durchstochen, bis sich ein Filz gebildet hat. In den vollautomatisch arbeitenden Maschinen sind bis zu 30.000 Nadeln zu finden, die bis zu 350 Einstiche pro Quadratzentimeter machen.

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