Fachkräfte-Nachwuchs

Kautschukfirma ContiTech findet durch ein spezielles Schüler-Programm die Lehrlinge leichter

Waltershausen. Udo Färber hat vieles zugleich im Blick: Gewandt bewegt er sich an der Maschine, schneidet die Kautschukbahn schräg ein, zieht sie rüber auf die Transportrollen – und erklärt dabei auch noch alles genau dem Azubi an seiner Seite.

Der heißt Mirco Häfner, ist angehender Verfahrensmechaniker im Mischwerk von ContiTech in Waltershausen (Thüringen), aber er kennt sich schon aus: „Im Mischer staut sich die Prozesswärme“, erklärt er. „Der Kautschuk könnte bei dieser Zusammensetzung teilweise vulkanisieren – aber hier, unter der Walze, verfliegt die Wärme rasch.“

Schon in Klasse neun mal reinschnuppern

Dass die Nachwuchskräfte hier schnell in die Abläufe hineinfinden, kommt nicht von ungefähr. Das Kautschuk-Unternehmen hängt das Thema Ausbildung sehr hoch. Und von den jährlich etwa 20 neuen ContiTech-Azubis am Standort weiß jeder dritte schon vor Lehrbeginn einiges über den Betrieb. Wegen „Bowaco“.

Das Kürzel steht für „Berufsorientierung Waltershausen und Co.“: Drei Dutzend Firmen aus der Region haben sich in einem Verein zusammengeschlossen, um Schülern von der siebten bis zur zehnten Klasse zu zeigen, was sie im Beruf erwartet.

ContiTech hatte das angestoßen, als zum Ende des letzten Jahrzehnts die Zahl der Bewerbungen stetig gesunken war. „Wir müssen Schülern zeigen, was wir in den Betrieben machen – und das über einen längeren Zeitraum“, erklärt Standortleiter Klaus Faßler. „Wie es bei uns zugeht, welche Möglichkeiten sich bei uns bieten.“

Mehr als 400 Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen profitieren aktuell von dem Projekt. Bowaco wird zum Großteil von den Firmen selbst finanziert: Metall verarbeitende und städtische Betriebe, Sozialeinrichtungen, Tischler, Supermärkte etwa – und die Kautschuk-Industrie.

So bekommen die Schüler der siebten und achten Klassen im eigens für diesen Zweck umgebauten Gebäude am ContiTech-Haupttor einmal im Monat wirtschaftsnahen Unterricht. Vermittelt werden etwa Grundkenntnisse in der Metall- oder Kunststoffbearbeitung, aber auch für kaufmännische Berufe oder Pflegeberufe. Die Neunt- und Zehntklässler dürfen dann in die am Projekt beteiligten Firmen hineinschnuppern.

Michael Brychcy, der Bürgermeister von Waltershausen: „Junge Leute können sich dadurch rechtzeitig orientieren. Wir hoffen, dass sie so der Region treu bleiben, eine Ausbildung in heimischen Unternehmen beginnen.“

Nicht zuletzt dank dieses ungewöhnlichen Projekts kann ContiTech seit Jahren alle Lehrstellen besetzen – obwohl die Zahl der Schulabgänger in Thüringen nur noch halb so hoch ist wie noch vor zehn Jahren.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang