Technik

Kaum Zeit für Experimente?


Fischertechnik verkauft Lehrmittel in anderen Ländern besser als in Deutschland

Waldachtal. Ingenieur Christian Hehr (35) erinnert sich gern an ein Ereignis aus seiner Schulzeit: „An einem heißen Tag habe ich im Technik-Unterricht einen Ventilator gebaut.“ Dann seien die Fischertechnik-Teile dem Lehrer um die Ohren geflogen. Abgeschreckt hat den Schüler das nicht. Heute arbeitet er in der Entwicklungs-Abteilung des Raumfahrtkonzerns Astrium in Friedrichshafen.

Solche Geschichten hört man bei Fischertechnik im schwäbischen Waldachtal gern. Für Geschäftsführer Marcus Keller steht fest: Die Bausteine wirken dem Ingenieurmangel entgegen.  „Wir wissen, dass 85 Prozent der Ingenieure und Naturwissenschaftler als Kind gerne mit technischem Spielzeug gespielt haben“, betont er.

Große Nachfrage aus Schwellenländern

Deshalb produzieren die Fischerwerke, die am Stammsitz in allen Sparten 1.300 Mitarbeiter beschäftigen, neben Spielzeug auch Lehrmaterial. In dessen Entwicklung inves­tiert das Unternehmen verstärkt seit der ersten „Pisa“-Studie 2001. Zu den Baukästen gibt es Begleithefte, die sich an den Lehrplänen orientieren. Mit Lehrmitteln macht Fischertechnik die Hälfte des Umsatzes.

Allerdings hinken ausgerechnet deutsche Schulen in der Ausstattung mit Baukästen hinterher. In anderen Ländern verkaufen sie sich viel besser. Beispiel Malaysia: „Dort ist jede der 7.200 Grundschulen mit Fischertechnik ausgestattet“, sagt Keller. Bei der Bildungsmesse „Worlddidac“ in Basel hätten sich vor allem Vertreter aus Schwellenländern über die Baukästen informiert.

Bei Fischertechnik hofft man jetzt, auch die deutschen Schulen stärker zu erobern. Seit 2006 hat das Unternehmen beim Lehrmittelvertrieb einnen neuen Partner, um das Geschäft im Inland voranzutreiben.

 

Einen festen Platz im Unterricht hat Fischertechnik beispielsweise bei der Hauptschule im fränkischen Veitshöchheim. Sie ist eine „Pilotschule zur vertieften Berufsorientierung an bayerischen Hauptschulen“. Soll also besser aufs Berufsleben vorbereiten. Techniklehrer Hermann Weininger: „Wir finden immer Dinge, die man mit Fischertechnik nachbauen kann, zum Beispiel eine Parkhaus-Schranke.“ Zuletzt hätten 60 Prozent der Zehntklässler nach der Schule eine technische Ausbildung begonnen.

Astrium-Ingenieur Christian Hehr ist froh, dass er als Kind spielerisch den Umgang mit Technik geübt hat: „Das hat unter anderem meine Intui­tion geschult, die heute im Be­ruf sehr wichtig ist.“

Barbara Auer

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