Berufs-Vorbereitung

Kann ich nicht? "Gibt's nicht!"


Keine Lehrstelle? So macht die Norddeutsche Affinerie junge Leute fit für die Ausbildung

Hamburg. Hauptschulabschluss in der Tasche – aber trotzdem keine Hoffnung auf eine Lehrstelle. So geht es vielen Jugendlichen. Und das wäre wohl auch Bulut Surats Schicksal. Doch der 15-Jährige bekommt jetzt eine dicke Chance. Er ist Teilnehmer eines Berufsvorbereitungsjahrs, mit dem die Norddeutsche Affinerie (NA) junge Leute fit für die Lehre machen will. Das Programm nennt sich „Qualifizierungs-Offensive 9 Plus“ und ging im vergangenen Sommer an den Start.

Jetzt hat Bulut nur noch ein Ziel: „Ich möchte einen Ausbildungsplatz!“

Die NA und die Hauptschule Slomanstieg wollen benachteiligten Jugendlichen beim Sprung ins Berufsleben helfen. „Viele Hauptschulabgänger bringen nicht die von uns geforderte Reife mit“, erklärt Wolfgang Wietbrok, Personalchef der NA. Oft fehlt es an den Grundlagen.

Die jungen Leute stehen mit Lesen, Schreiben und Rechnen auf Kriegsfuß. In praktischen Dingen sind sie dagegen oft sehr geschickt. Nun kann der Nachwuchs ein zusätzliches Schuljahr lang an seinen Schwächen arbeiten und die Stärken ausbauen.

Basteln und büffeln für die Lehrstelle

Wie Bulut Surat vom ersten Jahrgang bei „9 Plus“: Er und elf weitere Jugendliche im Alter von 15 bis 18 lernen an drei Tagen in der Woche bei der NA die Grundlagen der Metallbearbeitung kennen. Sie hämmern, bohren, feilen und sägen. Oder basteln aus Metallteilen einen kleinen Lkw. Das bringt Selbstbewusstsein. An zwei Tagen büffeln sie in der Schule Deutsch, Mathe, Englisch und Berufskunde. Alles für das eine große Ziel: die Lehrstelle.

Dank „9 Plus“ wird sie greifbar. „Wer erfolgreich ist, kann bei uns einen Ausbildungsplatz bekommen“, verspricht Reinhard Wagner, Leiter der Aus- und Fortbildung beim Hamburger Unternehmen.

Diese Aussicht zieht im Stadtteil Veddel. Denn das Quartier im Süden Hamburgs bietet nicht viel an Perspektiven. Es gilt als sozialer Brennpunkt mit hoher Arbeitslosigkeit und einem Ausländeranteil von 65 Prozent. In der Schule Slomanstieg beträgt er sogar 80 Prozent.

Bunt gemischt wie die Bewohner des Viertels ist auch der Kreis der zwölf Jugendlichen, die heute um Ausbilder Frank Höppner sitzen. Einmal in der Woche treffen sie sich, um mit ihm und dem für das Projekt reaktivierten früheren Ausbildungschef Günter Kroll über Pünktlichkeit, Regeln, Teamgeist und Engagement im Beruf zu sprechen. Oder über ihre Arbeit, ihre Erfolge und Ziele.

„Ich will in Mathe besser werden“

Denn auch das lernen sie: Sich Ziele setzen und solange dranbleiben, bis man sie erreicht hat. „Ich will meine Note in Mathe verbessern“, sagt der 16-jährige Hüseyin. „Mein Ziel ist es, den Lkw in dieser Woche fertig zu bauen“, hat sich Enver (16) vorgenommen.

So verschieden die Teilziele auch sind, das große – den Ausbildungsplatz – haben alle gemeinsam. Und dass die zwölf das schaffen, daran hat Höppner kaum Zweifel. Denn längst ist allen seinen Schützlingen klar: „Kann ich nicht, gibt’s nicht! Diese Ausrede gilt nicht“, ist Bulut überzeugt.

Info: Norddeutsche Affinerie AG

Die Norddeutsche Affinerie AG ist der größte Kupferproduzent Europas. Ihre 3.200 Mitarbeiter stellen 800.000 Tonnen Kupfer und Kupferprodukte im Jahr her. Die NA tut viel für den Nachwuchs. Sie bildet zurzeit 240 Azubis aus; das entspricht einer Quote von 7,5 Prozent. Mit der benachbarten Hauptschule Slomanstieg arbeitet sie seit Jahren zusammen.

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