Demografie

Kampf um Azubis


Hinter dem Lehrstellen-Rekord steckt auch Vorsorge der Betriebe

München. Lehrlingsrekord in Bayern: Rund 15.000 neue Ausbildungsplätze vermelden die Arbeitgeberverbände der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, BayME und VBM, für dieses Jahr. Das sind 10 Prozent mehr als die 13.500 neuen Lehrstellen des vergangenen Jahres – und schon die waren ein Rekordhoch.

Die neue bayerische Bestmarke bestätigt einen Trend. Seit dem Jahr 2002 wächst die Zahl der neuen Azubis in der Branche kontinuierlich an. Bundesweit vermeldeten die M+E-Betriebe im vergangenen Jahr 75.400 neue Ausbildungsplätze.

„Immer stärkerer Wettbewerb“

„Die betriebliche Ausbildung entwickelt sich immer parallel zur Beschäftigung“, erklärt Sven-Uwe Räß, Experte für berufliche Bildung beim Arbeitgeber-Dachverband Gesamtmetall in Berlin.

Die gute Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre ist aber nicht der einzige Grund für den Boom bei der Ausbildung: „Manche Firmen denken mittelfristig und sorgen schon heute vor“, weiß Räß. „Denn um die Lehrlinge wird es zukünftig einen immer stärkeren Wettbewerb zwischen den Unternehmen geben.“

Die Zahl der Schulabgänger wird nämlich in den kommenden Jahren rapide sinken. Auch in Bayern. Azubis, die Fachkräfte der Zukunft, werden bald rar. Auch das trägt zur hohen aktuellen Nachfrage nach Lehrlingen bei.

Das große Gerangel um den Nachwuchs dürfte künftig noch erheblich zunehmen, bestätigt Günter Walden, Experte am Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn: „Die Chancen, geeignete Bewerber zu finden, werden immer schlechter.“ Im Osten Deutschlands, wo es nach der Wiedervereinigung zu einem abrupten Geburtenrückgang gekommen war, sinkt die Zahl der Schulabgänger schon seit Jahren.

„Von Jahr zu Jahr wird es schwerer“

Ab 2012, so prognostiziert Walden, werden auch bayerische Firmen nicht mehr so leicht wie früher an Lehrlinge kommen. Die Unternehmen haben den Rückgang der Schulabgänger bereits heute im Blick. „Ich hoffe, es kommt bald nicht zum Kampf um Auszubildende“, sagt Jürgen Niemietz, Personalleiter bei Kunststofftechnik Scherer & Trier aus Michelau in Unterfranken. „Es ist heute schon schwer, interessante Leute zu halten.“

Ingolf Brauner, Geschäftsführer der Firma Comed aus Landsberg am Lech, versucht sogar seit Monaten vergeblich, zwei seiner Lehrstellen zu besetzen: „Von Jahr zu Jahr wird es schwerer, geeignete Leute zu finden. Betriebe streiten sich heute schon um Azubis“, klagt er.

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