Düngemittel

Kalte Fracht für grüne Flur


YARA Rostock sorgt für Erfolg bei Landwirten

Rostock/Poppendorf. Elegant schiebt sich der Tanker rückwärts an den Kai. Wenig später ist der Ausleger der Pumpstation angeschlossen. Eine letzte, sorgfältige Prüfung – und dann gehen bei den Arbeitern an Bord und an Land die Daumen hoch!

„5.000 Tonnen Ammoniak fließen jetzt in unsere Vorratstanks hier im firmeneigenen Hafen“, erklärt Dietmar Bartels, ein Mitarbeiter der YARA  Rostock, der die spektakuläre Aktion überwacht. Das Ammoniak ist minus 34 Grad kalt, also flüssig. Es braucht dadurch viel weniger Platz, als wenn es als Gas hier ankäme, aus den Produktionsstätten in vielen Teilen Europas.

Umfangreich modernisiert

Per Pipeline gelangt das Ammoniak von hier aus in das 13 Kilometer entfernte YARA-Werk in Poppendorf. Dort ist es der bei weitem wichtigste Rohstoff: 207 Mitarbeiter und 27 Azubis stellen daraus vor allem Düngemittel her. 

Geschäftsführer Bjarne Jenssen berichtet: „Etwa 1,4 Millionen Tonnen waren es 2007.“ Er hat eindrucksvolle Zahlen darüber parat, wie das Werk durch millionenschwere Investitionen modernisiert wurde: „Die Produktion je Mitarbeiter liegt 13-mal so hoch wie noch im Jahr 1991. Allein letztes Jahr stieg sie um 7 Prozent.“

Und wie wird aus Ammoniak Dünger? „Ein Teil wird zu Nitrose-Gas verbrannt und von Wasser absorbiert, so dass Salpetersäure entsteht“, erklärt  Produktionsingenieur Stephane Pron. „Diese Säure wird in einer Neutralisationsanlage wiederum mit Ammoniak versetzt.“ So entsteht  eine körnige Masse. Vermischt mit gemahlenem Kalkstein, getrocknet und gesiebt, wird sie zum wichtigsten Mineraldünger der Bauern: Kalkammon-Salpeter. Mit dem Stickstoff-Düngemittel und weiteren Mineraldüngern ist der norwegische YARA-Konzern (weltweit 9000 Mitarbeiter) Weltmarktführer.

Viel Platz für neue Jobs

Das Werk wurde zu DDR-Zeiten von einem französischen Konzern errichtet, 1985 ging es in Betrieb. Schon damals erfüllte es die heutigen Umweltstandards. 2010 treten neue Emissionsgrenzwerte in Kraft, so wird weiter modernisiert, etwa die Neutralisationsanlage: Der neue Ammoniak-Wäscher reinigt die benötigte Luft praktisch komplett.

Auf dem Gelände ist noch eine Fläche von 100 Fußballfeldern frei. Auf einem Teil davon plant ein ein spanischer Investor für 450 Millionen Euro ein Bioethanol-Werk. „Die letzten Genehmigungen werden wohl bald erteilt“, hofft Jenssen.

Die etwa 70 neuen Jobs wären ein Segen für die Region. Und für YARA. Man könnte dem neuen Nachbarn Dampf liefern und zusammen die Kosten für Wasser, Strom und Feuerwehr senken. Auch der Bahnanschluss würde besser genutzt. Und man hofft, dass dann das Land für das sich entwickelnde Industriegebiet eine langersehnte, für den Lkw-Transport wichtige Umgehungsstraße um den Ort Poppendorf in Angriff nimmt. 

Uwe Rempe

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