Globalisierung: Faustformel für neue Stellen

Kabelhersteller Leoni wächst im Ausland – das schafft auch hier Jobs


Nürnberg. Arbeitsplätze am Hochlohn-Standort Deutschland zu schaffen, ist für Unternehmen ein Wagnis. Erst recht, wenn nur noch die Märkte in der Ferne wachsen – so wie beim Nürnberger Kabelhersteller Leoni.

„50 neue Arbeitsplätze im Ausland bedeuteten bislang eine neue Stelle in Deutschland“, rechnet Klaus Probst als Leoni-Faustformel im Gespräch mit AKTIV vor. Probst ist der Vorstandsvorsitzende des Konzerns mit fast 60.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 3,8 Milliarden Euro.

Das meiste Personal ist im Ausland tätig: mehr als 55.000 Beschäftigte in 31 Staaten! „Das liegt an der relativ einfachen, aber arbeitsintensiven Tätigkeit in unserem größten Geschäftssegment Bordnetzsysteme“, erklärt Probst. Bordnetze, das sind komplette Kabelsätze für Autos.

Leoni produziert sie ausschließlich fern der Heimat, etwa in Rumänien und der Ukraine: „Dort kostet die Arbeitsstunde 4 bis 5 Euro“, so Probst, „an unseren Standorten in Marokko und Tunesien sind es keine 2 Euro.“ Zum Vergleich: In Deutschland liegen diese Kosten bei mehr als 30 Euro.

Und trotzdem schafft Leoni auch hierzulande neue Stellen – mehr als 400 waren es seit Ende 2010. Mit knapp 4.200 Menschen liegt die Stärke der Belegschaft nur noch leicht unter dem Höchststand des Jahres 2008. „Gerade weil unser Geschäft im Ausland kräftig zulegt, brauchen wir auch zu Hause etwas mehr Mitarbeiter“, betont der Vorstandschef.

Das sind dann vor allem gut qualifizierte Spezialisten, etwa am Standort Kitzingen in Unterfranken. Dort arbeiten rund 800 Mitarbeiter – „in drei bis fünf Jahren könnten es 1.000 sein“, sagt Probst. Das Tempo des Stellenaufbaus hänge allerdings davon ab, wie schnell die richtigen Leute gefunden würden.

Spezialisten entwickeln für die Kunden einbaufertige Systeme

Fachkräfte braucht etwa auch die Tochterfirma Leoni Elocab in den bei Nürnberg gelegenen Orten Georgensgmünd und Röttenbach. In den beiden kleinen, aber feinen Werken werden Spezialkabel hergestellt – überwiegend für Abnehmer aus der Bahn- und der Medizintechnik.

„Wenn ein Kunde ein Problem  nicht mit einem Standardprodukt lösen kann, entwickeln wir mit ihm eine maßgeschneiderte Lösung“, erläutert Geschäftsführer Elk Stegmann, „auf Wunsch auch mit Steckern oder Halterungen.“ Kurz: einbaufertige Systeme.

Und das können nur Spezialisten – zum Beispiel Kabelwerker, Industrie-Mechaniker und Montageprofis. Sie arbeiten unter anderem an Verseilmaschinen: Die größte verdreht 16 Drähte zu einem Kabel.

„Manche Mitarbeiter können alle Anlagen bedienen“, sagt Stegmann stolz. „Wenn wir diese Fertigung anderswo aufbauen müssten, würde es Jahre dauern, bis es so glatt läuft.“

Dieser Vorsprung lohnt sich: Seit 2005 hat sich die Zahl der Mitarbeiter von Leoni Elocab schon auf 140 verdoppelt. „In diesem und in den nächsten Jahren kommen weitere Stellen dazu“, kündigt Stegmann an. Den Spezialisten muss vor der Globalisierung also nicht bange sein.

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FAKTEN

Bordnetze, Kabel und Drähte

• Das Unternehmen Leoni gibt es seit 1917. Heute bringen Bordnetzsysteme für die Auto-Industrie fast sechs Zehntel vom Umsatz, dazu kommen andere Kabel – wie die Spezialprodukte der Tochtergesellschaft Leoni Elocab – und Drähte.

• 2012 legte das Geschäft des Konzerns im Ausland verglichen mit dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf fast 2,8 Milliarden Euro zu. Im Inland ging der Umsatz dagegen um 3,6 Prozent auf etwas mehr als 1 Milliarde Euro zurück. Seit 2009 stieg der Auslandsanteil von knapp 66 auf 73 Prozent.

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