Pilotversuch

Kabelhersteller Lapp startet deutsch-französisches Ausbildungsprojekt

Stuttgart. Multikulturell ist Denis Neri schon seit seiner Geburt: Der Vater ist Italiener, die Mutter Deutsche. Und er selbst ist in Frankreich aufgewachsen, nahe der deutschen Grenze in dem Dörfchen Holving bei Forbach. Er liebt Maultaschen und Spätzle und hat damit als erster französischer Azubi des schwäbischen Kabelherstellers Lapp schon eine wichtige Hürde genommen.

Familienbetrieb braucht dringend Fachkräfte

Auch sonst weiß der 16-jährige angehende Mechatroniker schon genau, was er will: „Eine sehr gute Ausbildung. Das ist die Basis für meine berufliche Zukunft.“ Bei der Job-Messe „Eures“ in Saarbrücken hat er Thilo Lindner kennengelernt, der vom Stammsitz in Stuttgart aus die Ausbildung für alle Lapp-Produktionswerke koordiniert. Lindner: „Wir wollten das Modell der dualen Ausbildung in unser französisches Werk in Forbach übertragen.“

Damit betrat das Unternehmen Neuland. Denn auch innerhalb der Europäischen Union ist die Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen nicht einheitlich geregelt: „In Frankreich geht man dafür aufs Gymnasium und hat fünf bis sechs Wochen Praxis im Betrieb“, sagt Azubi Denis Neri. „Mir war klar: Das reicht nicht aus, um ein ordentliches Fachwissen zu bekommen.“

Genau das braucht jedoch sein Arbeitgeber: gut qualifizierte Fachkräfte. Das Unternehmen stellt Kabel- und Verbindungsteile her. Kernmarkt ist der Maschinen- und Anlagenbau. Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit 3.200 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt 830 Millionen Euro Umsatz. Lindner musste sich ganz schön hineinknien, um die Ausbildung über Grenzen mit dem deutschen Berufsbildungsgesetz in Einklang zu bringen.

Wegen des jugendlichen Alters sollte Neri zu Hause bei den Eltern wohnen können. Nach dem Gesetz darf der junge Mann jedoch maximal ein Viertel der dreieinhalb Jahre Ausbildungszeit im Ausland verbringen.

Deshalb wird Neri seit dem Start im August 2013 in einer überbetrieblichen Einrichtung in Saarbrücken ausgebildet und absolviert mehrere Wochen im Jahr im Lapp-Werk Forbach und im technischen Ausbildungszentrum in Stuttgart. Nach dem ersten Teil der Abschlussprüfung geht es ins Werk Forbach, wo er später eingesetzt werden soll. „Eine Ausbildung nach deutschem Vorbild ist viel wert“, weiß Neri und nimmt dafür einiges in Kauf: Er tuckert jeden Tag um fünf Uhr morgens mit seinem „Mopedauto“ zum Bahnhof, von Holving bis Saarbrücken braucht er insgesamt zwei Stunden. Wenn der junge Franzose in Stuttgart ist, hat Ausbilder Lindner auch am Wochenende für ihn Zeit: „Er soll sich bei Lapp wohlfühlen und gern bei uns bleiben.“

Nach der Abschlussprüfung als Mechatroniker kann Neri die Maschinen überprüfen, defekte Teile ausbauen und Ersatz dafür fertigen. Ein Arbeitsplatz ist ihm jetzt schon sicher.


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