Weltraum-Forschung

Jules Verne aus Bremen besucht Columbus im All


Die Hanse-Stadt ist Europas Zentrum für die unbemannte Raumfahrt

All systems are working“ – alle Systeme arbeiten! Die Nachricht aus Kourou versetzt mehr als 300 Bremer Astrium-Mitarbeiter in Hochspannung. Sie haben sich trotz nachtschlafender Zeit vor einer Großleinwand versammelt, um den Start des „Automated Transfer Vehicle“ (ATV) vom europäischen Startgelände  im  südamerikanischen Kourou live zu verfolgen. Am 9. März um 5.03 Uhr ist es so weit: Der erste europäische Raumtransporter wird mit einer „Ariane 5“-Trägerrakete ins All befördert.

Ziel des ATV mit dem bezeichnenden Namen „Jules Verne“ ist die Internationale Raumstation ISS. Dort wird es bis zu sechs Monate verweilen und die Crew mit Treibstoff, Nahrung, Wasser und wissenschaftlicher Ausrüstung versorgen. Außerdem hebt es mit Hilfe eigener Triebwerke die gesamte Station immer wieder an. Denn die ISS verliert täglich rund 200 Meter an Höhe, ein Verlust, der ausgeglichen werden muss.

Sind die Nutzlasten umgeladen – „Jules Verne“ kann bis zu 9,5 Tonnen mitnehmen –, wird der Raumtransporter mit bis zu 6,5 Tonnen Abfällen beladen und abgekoppelt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht er. So funktioniert Müllentsorgung im All.

Das anspruchsvollste Raumfahrzeug

Helmut Luttmann, Leiter Operations und Missions bei Astrium, arbeitet seit 1998 an diesem ATV-Projekt. „Für mich war es Pflicht, dabei zu sein“, sagt er. Gemeinsam mit knapp 1.000 Mitarbeitern in ganz Europa hat er seit der Auftragserteilung durch die Europäische Raumfahrtorganisation ESA an dem wegweisenden Projekt gearbeitet.

Astrium war für die Entwicklung, Herstellung und Integration verantwortlich. Eine super Leistung, denn: „Wir haben hier eins der größten und technologisch anspruchsvollsten Raumfahrzeuge geschaffen, das es gibt“, so Luttmann.

Nicht nur das ATV ist „Made by Astrium“. Auch das europäische Forschungslabor „Columbus“ wurde hier gebaut. Das Modul ist der wichtigste europäische Beitrag zur ISS. In Bremen wird zudem die komplette Oberstufe der Trägerrakete Ariane 5 gebaut.

Bis 2013 wird Astrium vier weitere ATV-Raumtransporter produzieren. Für den Standort bedeutet das vor allem eins: Arbeit. „Im Betriebsbereich des Programms arbeiten rund 200 Leute, im ATV-Produktionsbereich sind es noch einmal mehr als 100“, berichtet Luttmann.

Bettina Köhler

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang