Schule und Beruf

Jugendliche entdecken die Arbeitswelt


Thüringer Schüler lernen in der  Region Waltershausen den Berufsalltag kennen

Waltershausen. Geschäftigkeit beherrscht das helle, zweistöckige Gebäude neben dem Haupttor des ContiTech-Standorts in Waltershausen: Im Metall-Kabinett feilen und bohren Schüler unter Anleitung, in einem anderen Raum üben Jugendliche, eine lebensgroße Puppe fürsorglich vom Bett in einen Stuhl zu heben. Doch eine Ausbildungswerkstatt ist dies nicht.

Werkeln an Handy-Stationen

Der Unterschied: Die Gesichter der Jugendlichen sind viel zu jung für Auszubildende. „Es sind Schüler der siebten und achten Klassen der Regelschulen aus der Region, die hier ihre Fertigkeiten und Interessen ausprobieren können“, erklärt Jörg Priese, Leiter Service Center der Phoenix Compounding Technology GmbH in Waltershausen. Sie fertigen im Metallkabinett zum Beispiel Handyhalter aus einzelnen Metallteilen, die sie vorher mit Säge und Feile aus einer Blech-tafel herausgearbeitet haben, oder machen sich im Computer-Raum mit den Grundanforderungen von kaufmännischen Berufen vertraut. „Hier können die jungen Leute praktisch austesten, welche Tätigkeiten ihnen liegen“, sagt Priese.

BOWACO heißt das bundesweit wohl einmalige Projekt zur praktischen Berufsorientierung, das im Januar 2010 gegründet wurde. Die Werkleiter von Phoenix Compounding, Klaus Faßler und Jörg Priese, die treibenden Kräfte des Projekts, hatten verstanden, dass man etwas gegen den Trend heftig sinkender Bewerberzahlen für die jährlich rund 30 Ausbildungsplätze im Betrieb in Waltershausen tun musste.

Aus der Idee wurde ein Konzept: Wer weiß, was auf ihn im Beruf zukommt, bewirbt sich mit mehr Selbstvertrauen und wirft nicht gleich bei ersten Schwierigkeiten in der Ausbildung die Flinte ins Korn. Also wurde ein Förderverein gegründet, der Bildungsträger FöBi aus Gotha mit ins Boot geholt und eine erste interessierte Regelschule gefunden. Fördermittel konnten indirekt über den Bildungsträger mit in das Projekt einfließen.  „Im März 2010 haben wir den ersten Kurs mit einer neunten Klasse begonnen“, erinnert sich Priese.

Erfolge haben sich schon eingestellt

Seitdem ist das Projekt gewachsen. Rund 350 Schüler aus vier Schulen der Region nehmen teil und können sich je nach Neigung in den 100 Tätigkeitsbildern der 30 Vereinsmitglieder ausprobieren. Die Klassenstufen sieben und acht sammeln ihre Erfahrungen im berufsorientierten Ausbildungszentrum des Vereins – für dessen Renovierung und Ausstattung Phoenix Compounding und Föbi das Geld in die Hand genommen haben.
Die neunten und zehnten Klassen erhalten ihre Ausbildung in den beteiligten Unternehmen, zu denen neben der Kautschuk- und Kunststoffbranche vor allem Metall, Elektro und der Sozialbereich gehören. In sechs Tätigkeitsbildern können sie sich testen. Dabei lernen auch die Betriebe die potenziellen Bewerber frühzeitig kennen.

Die Erfolge können sich sehen lassen: „Nach dem ersten Jahr zeigten von 48 Schülern 20 Interesse für eine Berufsausbildung bei den beteiligten Firmen, 8 bewarben sich und bekamen eine Lehrstelle“, so Priese. Das macht Hoffnung für die Zukunft. In der warten aber eventuell einige Wermutstropfen: Die Nutzung von Fördergeldern nach 2013 ist nicht sicher, da sich die Förderlandschaft gemäß EU-Richtlinie ab diesem Zeitpunkt verändern wird. Der Verein wird neue Wege finden müssen, das Projekt über die Mitgliedsfirmen laufen zu lassen.

www.bowaco.de

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