Mittelstand

Jetzt geht es hinauf


Mönninghoff hat die Krise abgehakt. Der Hersteller von Spezialkupplungen hat wieder gut zu tun

Bochum. Wer kennt das nicht? Man ist unterwegs und muss mal dringend. Doch Rettung naht: die nächste Autobahntoilette. Aber nur mit der passenden Münze zur Hand. Das Geldstück in den Schlitz einwerfen, auf das grüne Licht warten, dann endlich: Das Drehkreuz entriegelt sich – und gibt den Weg frei.

Es sind Schaltkupplungen „Made in NRW“, die den unbefugten Zugang zu Toiletten versperren. Aber nicht nur dort: Die Technik der Maschinenfabrik Mönninghoff in Bochum regelt auch den Eintritt zu Betrieben, U-Bahnen und anderen gesicherten Geländen.

Zudem fertigt die Firma auch andere mechanische und elektromagnetische Kupplungen. Sie steuern den Kraftfluss in Maschinen, schützen vor Überlastungen, fangen die Vibrationen in den Heckrotorwellen von Hubschraubern ab und sorgen in den Umlaufstationen von Seilbahnen und Skiliften für sanftes Abbremsen und Anfahren. „Sie sind überall da, wo Drehmomente kontrolliert weitergegeben werden müssen“, sagt Geschäftsführer Kai Neubauer.

Mitten in der Umstellung

Die Bochumer werden gefragt, wenn es auf Feinheiten ankommt. Weil beispielsweise die Farbwalzen einer Druckmaschine absolut synchron laufen müssen. Oder die Verpackungsmaschine im Takt mit der Abfüllanlage. „80 Prozent unserer Produkte sind Sonderanfertigungen“, sagt Firmeninhaber Bodo Finger. Die Chance eines deutschen Mittelständlers bestehe nicht im niedrigen Preis, sondern in der Technologie.

Auch Mönninghoff spürte die Krise, erlebte 2009 einen massiven Umsatzeinbruch, fuhr Kurzarbeit und ließ die befristeten Arbeitsverträge auslaufen. Genauso steil ging es dann wieder hinauf. „Wir können uns vor Arbeit kaum retten“, sagt Betriebsratsmitglied Andreas Ogaza. Der Maschinenbautechniker baut an seinem Bearbeitungszentrum Verzahnungen für elektro­magnetische Kupplungen.

Die Arbeit ist anspruchsvoller geworden. Mönninghoff befindet sich mitten in einer Umstellung auf schlanke Produktion. Das Unternehmen will künftig just in time fertigen. Für Ogaza bedeutet dies, dass er die Anlagen häufiger neu einrichten muss.

„In der Krise offenbaren sich die Schwachstellen eines Betriebs“, so Inhaber Finger. Bei Mönninghoff waren es die Lagerbestände. Zu viel lag auf Vorrat – totes Kapital.

Aus Fehlern gelernt

Das soll nicht noch einmal passieren. „Wir wollen nur das produzieren, was der Kunde aktuell haben will“, sagt Geschäftsführer Neubauer. Das erfordert jedoch eine genaue Planung, neue Maschinen mit kürzeren Rüstzeiten, weniger Transportwege innerhalb des Betriebs und eine bessere Einbindung der Mitarbeiter.

„Wir müssen gucken, wie wir die an sich sinnvolle Idee besser in der Produktion umsetzen“, so Betriebsrat Ogaza. Hier und da hakt es noch, gibt Neubauer zu: „Wir dachten, die Konjunktur wird langsam anlaufen und wir hätten genügend Zeit, uns darum zu kümmern. Es ist anders gekommen.“

 

Info: Mönninghoff GmbH&Co.KG

Die Bochumer Maschinenfabrik fertigt Schalt-, Überlast- und Wellenkupplungen. Außerdem Tauchspulenaktoren. Das sind softwaregesteuerte elektromagnetische Antriebe. Die Produkte von Mönninghoff kommen in Maschinen, Schiffen, Hubschraubern sowie in der Medizin- und Umwelttechnik zum Einsatz. Rund 40 Prozent der Produktion geht direkt in den Export. Eine Tochterfirma in Chemnitz stellt Sondergetriebe her.

Mönninghoff beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter und 8 Auszubildende.

 

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