RFID

Jetzt funkt’s im Lager


Wo fertige Ware landen soll, verraten schlaue Palettenscheine

Remshalden. Laufzettel ablesen? Oder Barcodes scannen? Schnee von gestern! Wenn der Stapler-Fahrer Kunibert Löffler fertige Ware aufnimmt, kann er sofort vom Bildschirm am Gabelstapler ablesen, was er da transportiert. Und wohin er es bringen soll. All das verrät ihm ein Zettel, der auf den ersten Blick ganz harmlos erscheint – ein funkender Palettenschein.

Diese Neuerung erhöht die Produktivität im Lager erheblich. Willkommen in der Logistik des 21. Jahrhunderts, zu erleben beim Wellpappen-Hersteller Klingele in Remshalden (bei Stuttgart). Dort gibt der neue Palettenschein sein Geheimnis nach etwas Knibbeln preis: Auf der Rückseite klebt ein sogenannter RFID-Transponder.

25 Prozent mehr Leistung

Dieser Transponder speichert Informationen, gibt sozusagen jeder Palette mit Ware einen Namen – den er dann per Funk verrät. Die zum Auslesen nötige Energie wird von den Antennen am Gabelstapler geliefert. Das klappt auch, wenn Stapler-Fahrer Löffler die Palettenscheine gar nicht sehen kann. Was ja oft der Fall ist, wenn er mit drei vollen Paletten gleichzeitig durch die Halle kurvt.

Es wird also schlauer gestapelt – und damit kostengünstiger. „Wir bewegen jetzt mit dem gleichen Personal 25 Prozent mehr Paletten pro Tag“, betont Uwe Pfeifer. Er leitet die Logistik am Standort Remshalden, wo 220 der gut 1.000 deutschen Klingele-Mitarbeiter beschäftigt sind.

Palette auf dem falschen Lkw? Ach wo! „Klassische Fehlverladungen haben wir nicht mehr“, sagt Pfeifer, „es sind auch viel weniger Such-Aktionen nötig.“ Und die Ware wird automatisch ausgebucht, sobald sie auf dem Laster landet.

Der Firmenchef Jan Klingele bringt die Sache so auf den Punkt: „Wir wissen jederzeit, wo jede Palette steht.“ Vor zwei Jahren hat er das von dem Dienstleister Stonegarden konzipierte RFID- System zunächst am Standort Werne (bei Dortmund) eingeführt. „Bis zum Sommer soll es in unseren vier deutschen Wellpappenwerken laufen.“ Etwa eine halbe Million Euro werde das Unternehmen dafür investieren.

Auch Kunden können angebunden werden

Die laufenden Kosten sind gering: Ein Transponder ist für 20 Cent zu haben, wie der IT-Leiter Oliver Schießl berichtet. Und der Nutzen soll noch zunehmen – etwa wenn Kunden ans System angebunden werden und dann ihren Wareneingang automatisch erfassen können.

Auch in der Klingele-Papierfabrik im ostfriesischen Weener funkt’s: Jede Papierrolle ist eindeutig identifizierbar. Praktisch, so Schießl, wenn eine Rolle später während der Produktion mehrmals zum Einsatz kommt: „Man weiß sofort, wie viel Papier noch auf der Rolle ist.“

 

Info: RFID – was ist denn das?

Das Kürzel RFID steht für „Radiofrequenz-Identifikation“, also die berührungslose Erkennung einer Sache per Funk. Benötigt werden dafür ein Lesegerät und eindeutig identifizierbare Datenträger, sogenannte Transponder.

Die im Prinzip schon seit Jahrzehnten bekannte Technik wird inzwischen in immer mehr Wirtschaftsbereichen genutzt – weil die oft auch „RFID-Chips“ genannten Transponder immer billiger werden.

www.info-rfid.de

Ein weiteres Beispiel dafür, wie die RFID-Technik die Arbeitswelt verändert, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

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