Entwicklungshilfe

Isabell Bopp unterrichtet Chemie in Afrika


Mwanga/Ludwigshafen. Für Isabell Bopp (22) geht ein Traum in Erfüllung: Sie unterrichtet zwölf Monate lang Chemie an einer Schule in Mwanga, im Norden Tansanias. Zuvor hatte die chemisch-technische Assistentin aus Leingarten bei Heilbronn bei der BASF in Ludwigshafen gearbeitet. In AKTIV erzählt sie von ihrem neuen Leben.

Was für eine Schule ist das?

Die Mwanga Secondary School ist Internat und Sekundarstufe zugleich. Viele der 600 Schüler müssen erst arbeiten, um die Gebühr zahlen zu können. Deshalb sind manche älter als ich. Die Jugendlichen schlafen in Sälen, Handys sind verboten, Uniform und kurze Haare für Jungs und Mädchen Pflicht.

Wie unterscheidet sich der Unterricht von unserem in Deutschland?

Manchmal sind in einer Klasse 70 Schüler. Deshalb kennen die Lehrer kaum einen Namen. Gruppenarbeiten und Referate wie bei uns gibt es nicht. Traurig ist auch, dass die Schüler geschlagen werden. Ich hoffe, ich kann das ändern.

Sie unterrichten Chemie und leiten eine Chemie-AG. Klappt das wie vorgesehen?

Nein, ich war anfangs sogar richtig geschockt. Im Labor stehen die Chemikalien auf dem Boden, Abzüge gibt es nicht. Reagenzgläser verschließt man mit dem Daumen! Schutzbrillen gibt es erst seit wenigen Monaten, dank einer Spende. Es fehlt zudem an Geräten. Neulich habe ich mit 20 Schülern an zwei Bunsenbrennern Seife hergestellt.

Wie gut sind die Chemie-Lehrer ausgebildet?

Die meisten haben durchaus gutes Fachwissen, können es aber nicht auf die Praxis übertragen. Sie kennen die einfachsten Experimente nicht. Als ich ankam, wollte ich den Wasserkocher entkalken und bat einen Lehrer um Essigsäure.

Und dann?

Er war völlig aus dem Häuschen, weil er sich nämlich schon immer gefragt hatte, wie das mit dem Entkalken geht. Also habe ich es vorgeführt. Ich erarbeite nun Experimente für den Lehrplan und soll sogar Lehrer-Workshops halten.

Was zeigen Sie den Kids?

Wir haben neulich die Schutzfunktion von Zahnpasta untersucht. Dafür reinigt man ein Ei mit Aceton, bestreicht es zur Hälfte mit Zahnpasta und legt es in Cola. Jetzt bilden sich Bläschen. Die Säure greift die Schale an den geschützten Stellen aber viel weniger an.

Mwanga ist doch sicher für Sie wie eine andere Welt. Wie geht es dort zu?

Mwanga ist eine kleine Stadt. Es gibt kaum Landwirtschaft und Industrie. Lebensmittel kauft man auf dem Markt. Große Familien leben auf engstem Raum. Eine Küche haben die wenigsten – gekocht wird deshalb meistens draußen.

Klingt gewöhnungsbedürftig.

Ja, auch fließend Wasser und Strom sind nicht selbstverständlich. Es ist zudem staubig und dreckig. Abfall wirft man einfach auf die Straße oder verbrennt ihn hinterm Haus.

Nach all diesen Erfahrungen – was beeindruckt am meisten?

Die Einfachheit des Lebens. Ich weiß jetzt, dass man auch ohne Kühlschrank und Waschmaschine zurechtkommen kann. Ich habe viele herzliche Menschen kennengelernt. Sie haben zwar wenig Geld, dafür ist der Zusammenhalt untereinander besonders stark.

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Fakten

Freiwilligendienst für junge Leute

• Isabell Bopp ist mit „Weltwärts“ in Afrika, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesentwicklungsministeriums.

• Der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz unterstützt die junge Frau finanziell. 180 Schutzbrillen spendeten der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim bei Mainz, der Lackspezialist Jansen Lacke in Ahrweiler und der Kunststoffhersteller Renolit in Worms.

• Mehr Erlebnisse im Internet-Blog: isi2afrika.wordpress.com

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