Der Start ist geschafft

Integration: Projekt „Fit für die Ausbildung“ bringt Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt

Hannover. Segvan Othman, Najib Aziouti und Mirkhan Hno Shepo haben es geschafft. Nach vielen Hürden stehen sie jetzt am Beginn eines dreimonatigen Betriebspraktikums. Die Nervosität ist ihnen anzumerken. Trotzdem strahlen sie vor Freude: „Eine neue Tür wird für uns geöffnet.“

Die drei jungen Männer sind Flüchtlinge aus Syrien, Algerien und dem Irak. Sie sind Teilnehmer des Projekts „Fit für die Ausbildung“. Das Besondere: Nach ihrem Praktikum wartet ein Ausbildungsplatz auf sie.

„Fit für die Ausbildung“ ist ein Projekt des Bildungswerks der niedersächsischen Wirtschaft (BNW) und dem Verband „Zukunft Inc.“ – einem Zusammenschluss von neun weltweit marktführenden Unternehmen aus der Region Hannover: der VSM AG, der Arnold Jäger Holding mit Artemis, Bahlsen, HaCon, Hüttenes Albertus, KIND Hörgeräte, LPKS Laser & Eletronics, Sennheiser und Wagner Brandschutz.

2011 ging das Projekt an den Start. Es soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem benachteiligte Jugendliche mit schlechtem Schulabschluss oder ganz ohne einen Berufseinstieg erhalten. Doch die vielen Flüchtlinge, die im letzten Jahr nach Deutschland gekommen sind, bilden nun eine weitere Gruppe für das Projekt. „Als Unternehmen haben wir eine soziale Verantwortung, was die Integration dieser Menschen angeht“, betont Fritz Kelle, VSM-Personalleiter und Vorsitzender von „Zukunft Inc.“.

Ulf-Birger Franz, Bildungs- und Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, ergänzt: „Diese Menschen sind eine echte Bereicherung für unser Land, nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich.“

13 Männer aus unterschiedlichen Ländern machen mit. Sie wurden von den Unternehmen aus 50 potenziellen Kandidaten ausgewählt. Ein Schulabschluss war dafür kein Kriterium. Claudia Köhler, Projektleiterin vom BNW: „Grundvoraussetzung war nur, dass die jungen Menschen in ihrer Heimatsprache alphabetisiert waren.“ Motivation, Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und soziale Kompetenz seien viel wichtiger gewesen. Das konnten sie im Assessment-Center und beim kurzen Kennenlernen, dem Speed-Dating, zeigen.

Nach der endgültigen Auswahl folgten drei Monate Deutschkurs. Denn: „Die Sprachkompetenz ist eine ganz wichtige Voraussetzung für eine gelingende Integration“, verdeutlicht der VSM-Personalleiter Fritz Kelle.

Die Unternehmen halten für die Flüchtlinge Ausbildungsplätze in ihren Betrieben vor, damit aus den Menschen Maschinen- und Anlagenführer werden oder Fachlageristen, Industriemechaniker, Chemikanten oder Industriekaufmann. Das Praktikum davor dient als erste Orientierung.

63.000 Euro kostet das Projekt. Die Region Hannover unterstützt es mit 25.000 Euro, den Rest tragen die Unternehmen. Unterstützung erhoffen sich diese auch vom Gesetzgeber, insbesondere was den Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge angeht: „Wir wünschen uns Rechtssicherheit mindestens für die Ausbildungszeit“, sagt Alexander Walter, Vorstand von „Zukunft Inc.“ und Personalleiter der Arnold Jäger Holding.

Jetzt geht es darum, alle 13 Teilnehmer in Ausbildung zu bringen, bei Prüfungen zu unterstützen und danach im Betrieb zu beschäftigen. Eine Riesenchance – nicht nur für die Flüchtlinge.


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