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200 Kunden in aller Welt: Euker druckt für die Pharma-Industrie

Marburg. „Waschzettel“ und „Bebberle“? Ja, so nennt der typische Hesse die Produkte der Firma Eukerdruck – und er meint damit: Packungsbeilagen und Etiketten. Selbst am Euker-Standort Marburg weiß aber kaum jemand, wie gut das Familienunternehmen ist. Es zählt sich zu den weltweit besten Druckereien, die für die Pharma-Industrie im Einsatz sind.

Robert Mägerlein, der Euker gemeinsam mit Bruder Dietrich und Vater Manfred leitet, erklärt: „In jeder fünften Medikamentenschachtel ist ein Beipackzettel oder Mini-Büchlein von uns.“

Packungsbeilagen werden größer

Da ist dann alles nachzulesen, etwa über die Wirkstoffe und Dosierungen, die Risiken und Nebenwirkungen. Oft sind auch ausführlichere Anleitungen nötig, zum Beispiel, wenn es um die Nutzung eines Inhaliergerätes geht.

Gesetze geben vor, was da genau zu stehen hat. Daher dürften die Waschzettel bald noch größer werden: Eine EU-Richtlinie fordert, Packungsbeilagen etwa durch größere Schriften und Abbildungen lesbarer zu gestalten. Für Euker ist das kein Problem, wie Mägerlein versichert.

Schon vor mehr als 100 Jahren ist der Betrieb gegründet worden; die Druckerei gehörte bald zu den Hauslieferanten der nahen Behring-Werke, die zeitweilig einer der größten Hersteller von Impfstoffen waren. In den 50er-Jahren spezialisierte man sich ganz auf die Pharma-Industrie: „Konzerne wie Hoechst und Bayer wurden auf uns aufmerksam“, erzählt Mägerlein. Heute liefert Euker an etwa 200 Arzneimittel-Hersteller.

In zwei Marburger Werken beschäftigt das Unternehmen rund 250 Menschen. Dazu kommen 50 weitere bei Pharma Druck in Sachsen: Dort wurde 1992 die ehemalige Hausdruckerei der Arzneimittelwerke Dresden übernommen.

Riesenbögen rasant gefaltet

Insgesamt werden gut drei Millionen Packungsbeilagen und etwa zwei Millionen Mini-Broschüren produziert – täglich! Hinzu kommen etwa vier Millionen Etiketten pro Tag, zum Beispiel für Medizin-Fläschchen oder Spritzen. Die Beipackzettel können in Größen von mehr als einem Meter Länge bei 75 Zentimetern Breite bedruckt werden.

Zum Vergleich: Eine AKTIV-Doppelseite misst nur 63 mal 47 Zentimeter! Spezialmaschinen, von Euker teilweise selbst entwickelt und konstruiert, falten solche Riesenbögen in rasantem Tempo auf winzige Größe zurecht. Versuchen Sie doch mal, nur so zum Spaß, eine Doppelseite dieser Zeitung so zu falten, dass sie in eine kleine Medizinschachtel passt!

Das Entfalten der Zettel und das Lesen der kleinen Schrift stellt aber viele Menschen vor Probleme.

Mini-Bücher mit diversen Extras

Deshalb hat sich Euker auch auf sogenannte Booklets spezialisiert: Broschüren in der Form kleiner Bücher sind leichter handhabbar und leserfreundlich gestaltet. Außerdem können sie mit ausklappbaren Seiten ausgestattet werden, mit herauslösbaren Haftetiketten, mit Antwortkarten – und so fort. Neu im Euker-Programm sind die „Zwillinge“ und „Drillinge“. Viele Pharma-Unternehmen geben für mehrsprachige Länder oder Marktregionen nur eine einzige Packungsversion in den Markt, dafür werden Beilagen in mehreren Sprachen benötigt.

Euker verbindet dafür zwei oder drei Beilagen zu einem maschinell gut verarbeitbaren Produkt, der Patient nimmt sich daraus dann später nur diejenige Sprachversion, die er benötigt.

So etwas kommt international an. Der Umsatz lag 2010 bei rund 30 Millionen Euro. Zwei Drittel davon werden in Deutschland erzielt, der Rest rund um den Globus. „Selbst in Ländern wie Mexiko oder China schätzt man uns, obwohl die Frachtkosten dorthin sehr teuer sind“, betont Dietrich Mägerlein, „irgendwie scheinen wir es also mit unseren Bebberlen und Waschzetteln richtig zu machen.“

 

Doppelt hält besser

Lebenslanges Lernen – Annika Mund (22) hat offenbar keine Angst davor: Statt einfach ihre Brötchen als Industriekauffrau zu verdienen, wird sie nun auch noch Druckerin! In Kürze möchte die Euker-Auszubildende ihre zweite Abschlussprüfung machen. Und dann die Weiterbildung zur Industrietechnikerin anschließen.

Zur neuen Branche hatten sie alte Kontakte gelockt. „In meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb habe ich Druckfarben verkauft und so Einblick bekommen in die Arbeit von Druckereien“, erzählt Mund. Die Technik faszinierte sie. „Und die Anwendungstechniker unserer Kunden hatten alle Drucker gelernt – also habe ich mir die Kundenliste angesehen und mir einen passenden Ausbildungsplatz gesucht.“ Die Lehrstelle bei Euker war Mund dann sogar einen Umzug von Celle nach Marburg wert.

In ihrem Bekanntenkreis weiß kaum einer, was Drucker eigentlich genau machen: „Für meine Freunde ist ein Drucker nur das Ding, das an ihrem Computer hängt ...“

„Der Clou ist geheim“

Bei Eukerdruck wird investiert: Etwa 10 Prozent des Umsatzes werden laut Firmenleitung Jahr um Jahr für Neuerungen  vor allem in der Produktion ausgegeben. Also zum Beispiel für modernste Drucktechnik oder aufwendige Kontrolleinrichtungen, die Druckfehler ausschließen sollen.

Und so findet sich denn auch eine der modernsten Acht-Farben-Druckmaschinen der Welt hier in Marburg – eine Pilot-Anlage, die etwas ganz besonderes kann. Die spannende Neuerung darf aber vorerst nicht veröffentlicht werden: „Der Clou ist noch streng geheim“, betont Druckerin Nicole Kruck.

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