Investitionen für die Umwelt

Industriepark-Betreiber Infra Zeitz erweitert Kläranlage und setzt auf „grüne Chemie“

Zeitz. So idyllisch wie im Bild oben ist die Weiße Elster nicht überall. Aber überall ist das Wasser klar und sauber. Wer es dem Flüsschen entnimmt, muss es genauso rein zurückleiten. Das ist Vorschrift, aber „wir alle sehen das auch als persönliche Verpflichtung“, sagt Silvio Rockstroh. „Wir alle“, das sind die 50 Mitarbeiter der Infra-Zeitz Servicegesellschaft.

18 Millionen Euro fließen in den Standort

Ihre Aufgaben: Sie managen den 232 Hektar großen Chemie- und Industriepark mit 50 Unternehmen und 1.000 Beschäftigten, sie sind für die Entnahme und Aufbereitung des Brauchwassers aus der zwei Kilometer entfernten Weißen Elster verantwortlich sowie für Ab- und Kühlwasser. Und sie versorgen die Betriebe vor Ort mit den nötigen Industriegasen.

Ingenieur Rockstroh ist bei der Infra das „Mädchen für alles“. Ob Wasser, Verfahren, Technik, Zertifizierungen, neue Projekte – der 31-Jährige weiß Bescheid. In den nächsten Jahren kann er das wieder beweisen.

Denn Geschäftsführer Arvid Friebe berichtet von Expansion: „Wir investieren 18 Millionen Euro, zwei Drittel davon sind Fördergelder vom Land Sachsen-Anhalt, damit der Standort weiter wachsen kann.“

Neue Flächen werden erschlossen, ein Drittel des Standorts ist noch frei. Und das Kühlwassersystem soll mehr Leistung bringen. Derzeit kann es 5.500 Kubikmeter stündlich liefern. Das ist manchmal schon zu wenig, sagt der Geschäftsführer: „Wir merken den Klimawandel; die Sommer werden länger und heißer.“

Auch die Abwasserreinigung, die bis zu 100 Kubikmeter in der Stunde schafft, soll erweitert und modernisiert werden. Eine komplexe Aufgabe aufgrund des bunten Produktionsmixes der Zeitzer Firmen: „Unterschiedlichste Stoffe müssen mit jeweils speziellen Methoden herausgetrennt werden“, so Friebe. Durch Zugabe von Chemikalien, durch Einblasen von Luft. Oder durch Bakterien, die Abfallstoffe abbauen. Stündlich kann sich die Zusammensetzung des Abwassers ändern.

Das Einblasen von Luft ins Abwasser frisst Strom. Um das auszugleichen, verwertet man inzwischen wiederum Gas aus der Kläranlage: In einem kleinen Blockheizkraftwerk wird es in Strom und Wärme für den Eigenbedarf umgewandelt.

Überhaupt ist Energie Friebes Sorgenkind. „Das heutige Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist ein Investitionskiller“, kritisiert der Manager. „Mehr als die Hälfte des Strompreises sind schon Steuern und Ökostrom-Umlage“, rechnet er vor. „Das macht unsere Dienstleistungen und die Produktion der Firmen teurer.“ Das Gesetz verhindere zudem den wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Bau eines zentralen Kraftwerks im Industriepark. Dabei habe der sorgsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen, also Nachhaltigkeit, für die Betriebe hohen Stellenwert.

150.000 Tonnen Altöl werden im Jahr recycelt

So nutzt etwa das Werk der italienischen Radici Chimica das bei der Produktion anfallende klimaschädliche Lachgas neuerdings in einem kleinen Blockheizkraftwerk. Und Puralube arbeitet in Deutschlands größter Altölraffinerie 150.000 Tonnen Altöl pro Jahr auf. Standort-Chef Friebe untermauert das Bekenntnis zu „grüner Chemie“ durch die Mitgliedschaft in zwei regionalen Netzwerken: „Hpyos“ und „BioEconomy“.


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