Alles muss raus

Industriefilter von Lühr sorgen dafür, dass Schadstoffe nicht in die Luft gelangen

Stadthagen. Wer begreifen will, was moderne Industrie-Filteranlagen leisten, kommt schnell an die Grenzen seiner Vorstellungskraft. Beispiel Dioxine: Für diese extrem giftigen und krebserregenden Stoffe, die bei den unterschiedlichsten Produktionsprozessen anfallen, hat der Gesetzgeber äußerst niedrige Grenzwerte festgelegt. So muss eine Filteranlage zuverlässig dafür sorgen, dass die Menge der Dioxine je Kubikmeter Abgas nicht höher liegt als ein zehnmilliardstel Gramm.

Rüdiger Margraf, der geschäftsführende Gesellschafter des Industriefilter-Herstellers Lühr in Stadthagen bei Hannover, hat dazu einen knackigen Vergleich parat: „Wenn Sie ein Stückchen Würfelzucker ins Steinhuder Meer werfen und kräftig umrühren, damit sich der Zucker gleichmäßig verteilt, haben Sie rund 50 Nanogramm Zucker pro Kubikmeter Wasser. Unsere Aufgabe wäre es jetzt, 49,9 Nanogramm wiederzufinden und herauszufiltern – und das Kubikmeter für Kubikmeter.“

Solche Größenordnungen zuverlässig bewältigen zu können, das müssen Anbieter von Filteranlagen heute auf den Weltmärkten garantieren. Und das Familienunternehmen Lühr hat damit Erfahrung: Nachdem der gelernte Schiffsbau-Ingenieur Heinrich Lühr 1938 das Unternehmen gründete, fertigte es zunächst Rohrleitungen und Gebläse – doch schon nach kurzer Zeit auch Filteranlagen.

Damals ging es vor allem darum, sichtbare Emissionen wie Ruß und Staub aus der Luft zu filtern. Mit zunehmenden gesetzlichen Vorgaben kamen in den 70er-Jahren gasförmige Stoffe hinzu. Diese müssen zuerst mit sogenannten Additiven gebunden und in Salze umgewandelt werden und bleiben dann sozusagen in den Filtern hängen. „Im Grunde genommen funktioniert das wie beim Staubsauger zu Hause“, erklärt der Geschäftsführer. „Allerdings reinigen sich unsere Anlagen regelmäßig von selbst.“ Gerade bei Anlagen für gasförmige Stoffe sei Lühr besonders stark aufgestellt.

Alle Kernkomponenten aus Niedersachsen

Längst sei man auf den Bau kompletter Anlagen inklusive begleitender Serviceleistungen spezialisiert. „Die eigentlichen Filter sind dabei nur noch ein Teilbereich.“ Je nach Einsatzbereich füllten solche Anlagen schon mal Hallen halb so groß wie ein Fußballfeld.

Lühr-Anlagen finden sich weltweit in diversen Branchen von der Eisen- und Stahl- über die Zement- bis hin zur Chemie-Industrie sowie in Müllverbrennungsanlagen. Gerade bei Letzteren seien die Anforderungen extrem hoch – „und das über viele Jahre bei kontinuierlicher Überwachung“.

Großen Wert legt Margraf darauf, dass alle Kernkomponenten, in denen das eigentliche Know-how des Unternehmens steckt, in den drei Produktionsstätten in Stadthagen entwickelt und hergestellt werden. Die rund 300 Mitarbeiter organisieren zudem den weltweiten Service: „Wir müssen nach der Installation eine Anlage in Taiwan genauso gut betreuen können wie in Hannover.“

Als permanente Herausforderung, vor allem für die Abteilung Forschung und Entwicklung, sieht Margraf die sich stetig verschärfenden Gesetze zur Luftreinhaltung. „Viele Regionen in der Welt schauen auf europäische Vorgaben. Das ist gut für uns.“


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