WorldSkills 2013 in Leipzig

Industrie zum Anfassen, Mitmachen, Staunen


Leipzig. Wo in einer knappen Woche Zigtausende meist junge Menschen vorbeikommen, da lässt es sich prima um Nachwuchs werben: Alle möglichen Branchen und viele namhafte Unternehmen präsentieren während der Weltmeisterschaft der Berufe „WorldSkills“ ihre Ausbildungsangebote. Und vom Gipsformengießen bei Saint-Gobain Rigips bis zum Heizungsschlauchverlegen bei Viega präsentieren sich Industrie und Handwerk hier oft zum Anfassen, Mitmachen und Staunen – sodass die Kinder und Jugendlichen spannende Erfahrungen aus den Messehallen mitnehmen können.

Zum Beispiel bei Festo Didactic, einer Tochterfirma des Automationsspezialisten Festo: Da darf man mit ein paar Bauteilen Grundlagen der Pneumatik entdecken, einen Ball mit einem ferngesteuerten Roboter einlochen, eine verkleinerte Produktionsanlage unter die Lupe nehmen und so fort. „Wir sind hier, um das Berufsbild Mechatroniker bekannter zu machen“, erklärt Pressesprecherin Heike Haarmann, „das hilft uns, die eigene Zukunft zu sichern.“

Die Firma ist weltweit in Sachen Bildung aktiv und schon seit mehr als 20 Jahren ein wichtiger WorldSkills-Sponsor. So stellt Festo Didactic zum Beispiel Anlagen für den Mechatroniker-Wettbewerb zur Verfügung. Und daher kommen nicht nur junge Leute am Stand vorbei, sondern auch etliche Minister und hohe Beamte etwa aus Afrika und Asien.

Viele Betriebe unterstützen den Wettbewerb mit Equipment und Personal

Bei Siemens, wo sich der Nachwuchs unter anderem am Lötkolben versuchen kann, wird ebenfalls der internationale Aspekt betont: „Wir wollen dazu beitragen, die Berufsausbildung weltweit auf einen Industrie-Standard zu bringen“, sagt Roland Scheuerer, Projektleiter für die Kooperation des Unternehmens mit Bildungseinrichtungen in aller Herren Länder. Also hat Siemens zum Beispiel dafür gesorgt, dass die Anlagenelektriker im Wettbewerb „hochmodernes Equipment“ nutzen können – früher, lässt Scheuerer durchblicken, sei das nicht der Fall gewesen.

Am Stand des Industriegasproduzenten Linde Gas wird fast 80 Minusgrade kaltes Trockeneis mit einem Softdrink übergossen. Kräftig nebelt es aus dem Glas. Warum? So wird rasch Neugier geweckt. „Die Nachwuchs-Rekrutierung in den technischen Berufen wird ja immer schwieriger“, erläutert Hermann Lichtenberg, verantwortlich für das Ausbildungsmarketing bei Linde, „also nutzen wir dafür auch diese Plattform.“ Die Firma unterstütze zudem den Wettbewerb mit allen Gasen, die benötigt werden – zum Beispiel von den Schweißern.

Autolack-Hersteller Spies Hecker wiederum hat gleich fünf Autolackiermeister nach Leipzig entsandt, die beim entsprechenden Wettkampf helfen. Am Stand der Firma dürfen die Besucher selbst mit einer Lackierpistole hantieren. Das Ergebnis dieser Sprühversuche ist aber zum Glück nur virtuell, es wird (ähnlich wie bei der Spielkonsole Wii) auf einem großen Bildschirm angezeigt. „Fahrzeuglackierer ist ein anspruchsvolles Berufsbild“, erklärt Spies-Hecker-Mann Patrick Kreuz, „das wollen wir hier zeigen.“

Naturwissenschaftliche „Skills“ sind im Wettbewerb noch außen vor

Dass nur relativ wenige Chemiefirmen vertreten sind, dürfte vor allem daran liegen, dass naturwissenschaftliche Berufe im Wettbewerb außen vor sind. „Aber das wollen wir ändern“, erklärt Bernd Wolter, „wir werden vorschlagen, dass ab 2015 auch naturwissenschaftliche ,Skills‘ eine Rolle spielen.“ Wolter ist beim Arbeitgeberverband Nordostchemie unter anderem für Bildungspolitik zuständig – und begeistert über das Geschehen in Leipzig: „Es ist einmalig, wie viele Schüler hier durchströmen.“

Der Verband selbst hat einen großen Stand an prominenter Stelle in Halle 1 aufgebaut, gemeinsam mit der Chemie-Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt“ und einigen Betrieben wie etwa Akzo Nobel oder Wacker Chemie. Das Schülerlabor der Hochschule Merseburg macht mit den jungen Besuchern eine Art chemisches Detektivspiel, der Täter soll unter anderem durch ein Duft-Quiz überführt werden.

„Das ist eine Gelegenheit, die in den nächsten 30 Jahren nicht wiederkommt“

Ganz in der Nähe wirbt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall für eine Ausbildung „im Herz der Wirtschaft“ – der Metall- und Elektro-Industrie. Mit dabei: Firmen wie Continental und Schuler, jeweils vertreten durch ostdeutsche Standorte. In der Region ist die Zahl der Schulabgänger ja schon stark gesunken, der Fachkräftemangel spürbar. „Vor dieser großen Kulisse Werbung für unsere technischen Berufe zu machen: Das ist eine Gelegenheit, die in den nächsten 30 Jahren nicht wiederkommt“, sagt Sven-Uwe Räß, der bei Gesamtmetall für Berufsbildung zuständig ist.

Derweil lässt der Rummel an dem großen Gemeinschaftsstand etwas nach: Ein Bewerbungstraining beginnt. Auch mit solchen Aktionen wird dem Nachwuchs während der Leipziger Wettkampftage auf dem Weg ins Berufsleben geholfen.

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