Team-Erfahrung ist gefragt

Industrie 4.0: Wie Elektrotechnik-Hersteller Phoenix Contact die Digitalisierung anpackt

Bad Pyrmont. Ein gelbes Gehäuse mit Löchern und Schlitzen läuft langsam über das Fertigungsband. Frank Knafla erklärt es: „Dieses Gehäuse“, sagt er, „kann man bestücken: Schaltungen, Ein- oder Ausgänge, analog oder digital, mal vier, mal acht. Je nachdem.“ Für die Fertigung sorgt die Maschine.

Aber woher weiß das Band, welches Gehäuse welche Schaltung braucht? Knafla zeigt auf eine Art Träger unter dem Element: „Da ist ein Chip drin. Der teilt es der Maschine mit. Denn das Gehäuse ist gleich, das Innenleben immer anders. Manchmal haben wir da 200 unterschiedliche Inhalte.“

Knafla ist bei Phoenix Contact in Bad Pyrmont „Master Specialist“ für Industrie 4.0, die kommende Digitalisierung der Fabrikation. „Da steuert das Produkt die Fertigung“, sagt er. Der 1960 geborene Diplom-Ingenieur war immer neugierig auf Neues. Knafla hat Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Automatisierung studiert und arbeitet seit dem Jahr 2001 bei Phoenix Contact.

Nach Aufgaben für Energieeffizienz und Energiemanagement ist er jetzt der Beauftragte für die Zukunft der Produktion. Privat faszinieren ihn Elektroautos, mit denen er auch an Rallyes teilnimmt.

Das Werk von Phoenix Contact in Bad Pyrmont gehört zu einer rund um den Globus operierenden Unternehmensgruppe, dem Weltmarktführer für Komponenten und Systeme der Elektronik und Automation.

Mehr als 14.500 Mitarbeiter hat das Unternehmen insgesamt, 470 sind es in der Produktion in Bad Pyrmont. 40 von ihnen sind bis jetzt im Bereich Industrie 4.0 geschult worden und können damit umgehen. „Wir haben das erst gar nicht 4.0 genannt“, sagt Produktionschef Axel Borcherding. „Wir haben vor allem versucht, die Produktion zu optimieren: Wie werden wir schneller, flexibler und einfacher?“ Frank Knafla ergänzt: „Früher ging es darum, möglichst große Stückzahlen herzustellen. Heute geht es im Extremfall um die Losgröße eins.“

Knafla und Borcherding wissen um die Angst der Arbeitnehmer vor der Digitalisierung, die Sorge, dass das Tausende von Jobs kosten könnte. „Wir wollen die Umsetzung zusammen mit den Mitarbeitern lösen“, sagt Borcherding. „Wir wollen ja keine Arbeitsplätze vernichten. Wir wollen sie aufwerten. Das ist ja ein alter Grundsatz: Betroffene zu Beteiligten machen.“

Frank Knafla hakt ein: „Genau. Nicht Widerstand niederkämpfen. Sondern die Kraft der Menschen nutzen. Ihre Erfahrungen sind gefragt.“ Deswegen laufen Qualifizierungskurse, nach und nach. In zwei Jahren will Phoenix Contact die Belegschaft auf dem Stand haben.

„Wir wollen wirtschaftlich und effizient sein“, sagt Frank Knafla. „Und die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen.“


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