Digitalisierung der Produktion

Industrie 4.0: Die Metallfirma Schumacher ist schon komplett vernetzt

Remscheid. Hereinspaziert – und staunen! In nur 30 Minuten entwickelt bei der Firma Schumacher Precision Tools ein Computer aus den Auftragsdaten eines Kunden das dreidimensionale Modell des bestellten Werkzeugs. Ganz eigenständig, ohne Befehl. Und schickt die Daten automatisch an die Produktionsmaschine weiter. „Früher benötigte die Entwicklungsarbeit drei Stunden“, sagt Bernd Schniering, Geschäftsführer des Remscheider Herstellers von hochpräzisen Gewindebohrern.

Willkommen in der Zukunft, in der Industrie 4.0. Was bei Schumacher schon Realität ist, soll bald in ganz Deutschland zum Standard werden: die Digitalisierung der Arbeitsabläufe. Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sichern. Bereits heute haben drei von zehn mittelständischen Unternehmen, zu denen auch Schumacher gehört (insgesamt 120 Mitarbeiter im In- und Ausland), Wertschöpfungsketten digitalisiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Unternehmensberatung PwC vom Frühjahr.

Der Betrieb im Bergischen Land gehört zur Speerspitze bei der Vernetzung. Die firmeneigene Gesellschaft für angewandte Prozesslenkung (GAP), die Schniering ebenfalls leitet, bringt mit Ministerien, anderen Betrieben und einem weltumspannenden Netzwerk aus Universitäten und Hochschulen die Digitalisierung voran. GAP entwickelt die Ideen, Schumacher probiert sie aus. Wie gut das funktioniert, davon überzeugte sich jüngst auch die Politik: So war NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu Besuch.

Inzwischen ist die komplette Firma vernetzt. Verwaltung, Warenwirtschaft, Marketing. Und die Produktion. Dazu gehört als Herzstück der leistungsstarke Rechner, der in Windeseile 3-D-Modelle erstellt. Damit nicht genug: Der Computer simuliert zudem, wie sich der Gewindebohrer im späteren Einsatz beim Kunden verhält. Und haben die Produktionsautomaten nach diversen Arbeitsschritten das Werkzeug aus Hochleistungsstahl auf den eintausendstel Millimeter in Form gebracht, vergleicht eine lasergestützte Messanlage das Ergebnis mit den Sollvorgaben des ursprünglichen 3-D-Modells.

Der Umsatz ist rasant gestiegen

Die Mitarbeiter spüren die Veränderungen durch die Digitalisierung. Dominik Reichel zum Beispiel. Er steht im Versand, am Ende der Produktionskette: „Die Abläufe sind präziser geworden. Und Ausschuss ist kein Thema mehr.“

Das freut die Kunden des Familienunternehmens. Zu den Abnehmern der Gewindebohrer gehören die Maschinenbauer ebenso wie Zulieferer für die Auto- und Luftfahrt-Industrie, die Medizintechnik sowie Heizsysteme-Produzenten. Und Gleisbau-Unternehmen: Die Schienen auf den Schwellen halten, weil die Muttern über präzise Gewinde verfügen, die mit Werkzeugen aus dem Bergischen hergestellt wurden.

Schumacher konnte den Umsatz in den letzten zehn Jahren glatt verdoppeln. Auch dank der Digitalisierung. Die bringt auch Kostenvorteile und so Pluspunkte im Wettbewerb. Schniering: „Wir holen inzwischen Produktionsaufträge nach Deutschland zurück.“

Schwindelig wird es dem Geschäftsführer wegen des rasanten Erfolgs nicht. Doch beim Gang über eine Hängebrücke in den Bergen bei Garmisch-Partenkirchen wurde es ihm schon etwas mulmig: „Als ich aber auf den Muttern, die die Seile halten, den Prägestempel eines unserer Kunden sah, fühlte ich mich gleich wohler.“


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